Eine Cannabispflanze bringt indoor realistisch 50 bis 100 Gramm Trockenblüte – bei den ersten Grows eher am unteren Ende. Als grobe Faustzahl gilt rund 0,5 Gramm pro Watt Lampenleistung; geübte Grower kratzen an 1 Gramm. Wer legal drei Pflanzen im Zelt zieht, landet mit etwas Übung grob bei 150 bis 300 Gramm Gesamternte.
Trockengewicht statt Nassgewicht: worüber wir hier reden
Die meisten Gramm-Zahlen, die im Netz kursieren, meinen das getrocknete Endgewicht der Blüten – und genau das willst du wissen. Frisch geschnitten wiegt eine Pflanze ein Vielfaches, weil sie fast nur aus Wasser besteht. Beim Trocknen verliert das Erntegut rund 75 bis 80 Prozent seines Gewichts. Übrig bleiben etwa 20 bis 25 Prozent als rauchfertige Blüte.
Praktisch heißt das: Wer nass 300 Gramm vom Netz nimmt, hält am Ende rund 60 bis 75 Gramm trockenes Weed in der Hand. Rechne also nie mit dem Nassgewicht – sonst ist die Enttäuschung nach dem Trocknen programmiert. Alle Werte in diesem Beitrag beziehen sich auf Trockenblüte.
Die Faustzahlen: Gramm pro Watt, pro Pflanze und pro m²
Der Ertrag hängt weniger an der einzelnen Pflanze als am Licht und am Platz, den du ihr gibst. Drei Bezugsgrößen haben sich eingebürgert:
Gramm pro Watt (g/W)
Der wichtigste Richtwert. Er setzt die Ernte ins Verhältnis zur echten Leistungsaufnahme deiner Lampe – nicht zur beworbenen „entspricht 600 W“-Angabe, sondern zu dem, was die LED tatsächlich aus der Steckdose zieht.
| Erfahrung | Gramm pro Watt |
|---|---|
| Anfänger (Erde) | ca. 0,5 g/W |
| Geübt | 0,8–1,0 g/W |
| Profi / Hydro, optimiert | bis 1,2 g/W |
Beispiel: Eine LED mit 300 Watt echter Leistung bringt einem Anfänger rund 150 Gramm für den gesamten Zeltraum. Verteilt auf drei Pflanzen sind das etwa 50 Gramm pro Pflanze.
Gramm pro Pflanze nach Topfgröße
Der Wurzelraum deckelt, wie groß eine Pflanze überhaupt werden kann:
| Topfgröße | Ertrag pro Pflanze |
|---|---|
| 1–3 Liter | 20–50 g |
| 5–7 Liter | 50–100 g |
| 10–15 Liter | 100–200 g |
Für einen Grow im Zelt haben sich rund 11 Liter als guter Kompromiss aus Ertrag und Handhabung bewährt. Größere Töpfe können mehr, brauchen aber mehr Wasser, Dünger und Platz.
Gramm pro Quadratmeter (g/m²)
Wenn eine Fläche gut ausgeleuchtet und mit Techniken wie SCROG oder SOG dicht bewachsen ist, sind unter guten Bedingungen 400 bis 500 Gramm pro m² drin. Diese Zahl ist eher etwas für Fortgeschrittene mit passender Lampenleistung – als Orientierung, wohin die Reise gehen kann, taugt sie trotzdem.
So schätzt du deinen realistischen Ertrag in 4 Schritten
- Echte Wattzahl notieren. Nimm die tatsächliche Leistungsaufnahme deiner Lampe (steht im Datenblatt), nicht die Marketing-„entspricht“-Angabe.
- Mit 0,5 g/W rechnen. Multipliziere die echten Watt mit 0,5 – das ist das realistische Trocken-Potenzial deines gesamten Zelts beim ersten Grow.
- Durch die Pflanzenzahl teilen. Das Ergebnis geteilt durch die Anzahl deiner Pflanzen ergibt den groben Wert pro Pflanze.
- Puffer abziehen. Rechne für die ersten ein bis zwei Grows nochmal 10 bis 20 Prozent runter – Anfängerfehler und ein zu früher Erntezeitpunkt kosten fast immer Gramm.
Rechenbeispiel: 250 W echt × 0,5 = 125 g für den Raum. Auf drei Pflanzen sind das rund 40 g pro Pflanze – und mit Puffer eher 33 bis 37 g beim allerersten Durchgang.
Was den Ertrag pro Pflanze wirklich steuert
Warum bringt die eine Pflanze 40 Gramm und die andere unter identischem Zelt 120? An diesen Stellschrauben entscheidet es sich:
- Licht. Der größte Hebel. Nicht nur Watt zählen, sondern wie viel Lichtstärke (PPFD) unten an den Blüten ankommt. Zu schwach oder zu weit weg – und die unteren Buds bleiben luftig.
- Weniger Pflanzen, mehr Platz. Eine Pflanze unter 600 W kann Richtung 500 g gehen, vier Pflanzen unter derselben Lampe je rund 150 g, sechzehn nur noch je knapp 40 g. Der Raum liefert die Gesamtmenge – die verteilt sich nur anders.
- Topf- und Wurzelraum. Zu klein gewählt, bleibt die Pflanze zwangsläufig klein (siehe Tabelle oben).
- Training. Topping, LST (Runterbinden) und SCROG verteilen die Energie auf viele gleich hohe Budstellen statt auf eine dominante Spitze – das hebt den Ertrag pro Pflanze spürbar.
- Genetik. Indica-lastige Sorten legen tendenziell mehr Trockengewicht auf als luftige Sativas. Die Sortenwahl deckelt das Maximum von vornherein.
- Klima und Nährstoffe. Stimmen Temperatur, Luftfeuchte, pH- und EC-Wert nicht, stockt das Wachstum – und was in der Vegetation verloren geht, holt keine Blütephase mehr auf.
Autoflower oder photoperiodisch: was bringt mehr?
Photoperiodische Pflanzen (die per 12/12-Lichtwechsel in die Blüte geschickt werden) haben nach oben mehr Luft, weil du die Vegetationsphase und damit die Pflanzengröße selbst steuerst. Autoflower blühen von allein nach ein paar Wochen und bringen deshalb meist weniger – realistisch 20 bis 100 Gramm pro Pflanze.
Der Vorteil der Autos: Sie sind in rund zwei Dritteln der Zeit durch. Über ein Jahr gerechnet kann das den geringeren Einzelertrag teils ausgleichen. Für maximalen Ertrag pro Pflanze sind photoperiodische Sorten mit gezielter Vegphase aber die bessere Wahl.
Wenn deine Ernte kleiner ausfällt als erwartet
Bleibst du deutlich unter der geschätzten Menge, liegt es fast immer an einer dieser Ursachen:
- Licht zu schwach oder zu hoch gehängt. Miss die Lichtstärke am Blattdach nach, statt nach Gefühl zu hängen. Zu wenig Licht = fluffige, leichte untere Buds.
- Zu früh geerntet. Wer nach Kalender statt nach den Trichomen schneidet, verschenkt in der letzten Dickmach-Woche ordentlich Gewicht.
- Wurzelraum oder Vegphase zu kurz. Eine kleine Pflanze kann keine großen Erträge tragen – Topfgröße und Vegzeit bestimmen das Gerüst.
Bei meinem ersten Zeltgrow hatte ich die berühmte „1 Gramm pro Watt“-Zahl aus dem Forum im Kopf und bei einer 150-Watt-LED fest mit 150 Gramm gerechnet. Am Ende hingen knapp 60 Gramm trocken am Netz. Die Lehre: Für die Planung gehört die 0,5-g/W-Zahl in den Kopf, nicht der Bestwert – sonst rechnest du dich systematisch reich.
Warum Licht am Ende über die Gramm entscheidet
Buds sind im Grunde verdichtete Zucker- und Harzspeicher, die die Pflanze aus Photosynthese aufbaut. Je mehr nutzbares Licht auf eine Budstelle trifft, desto mehr Material kann dort eingelagert werden – deshalb hängt der Ertrag so direkt an der Lichtmenge, die unten ankommt.
Das erklärt auch, warum Training so viel bringt: Ein flaches, gleichmäßiges Blätterdach stellt viele Budstellen ins volle Licht, statt dass eine hohe Spitze alles beschattet. Und es erklärt, warum mehr Pflanzen nicht automatisch mehr Ernte bedeuten – das verfügbare Licht im Zelt ist die eigentliche Obergrenze, nicht die Zahl der Töpfe.
Häufige Fragen
Wie viel Gramm bringt eine Cannabispflanze indoor?
Realistisch sind 50 bis 100 Gramm getrocknete Blüte pro Pflanze, bei den ersten Grows eher 30 bis 60 Gramm. Der genaue Wert hängt von Licht, Topfgröße, Sorte und Anbautechnik ab.
Was bedeutet 1 Gramm pro Watt?
Die Kennzahl setzt die getrocknete Ernte ins Verhältnis zur echten Lampenleistung. 1 g/W ist der optimistische Bestwert; für Anfänger sind etwa 0,5 Gramm pro Watt realistisch.
Bringen drei Pflanzen dreimal so viel Ertrag?
Nein. Die Gesamternte begrenzt vor allem das verfügbare Licht im Zelt, nicht die Anzahl der Töpfe. Weniger Pflanzen mit mehr Platz bringen einen höheren Einzelertrag, die Raum-Gesamtmenge bleibt ähnlich.
Wie viel Ertrag bringt eine Autoflower?
Autoflowering-Sorten liefern meist 20 bis 100 Gramm pro Pflanze und damit weniger als photoperiodische Sorten. Dafür sind sie in rund zwei Dritteln der Zeit erntereif.




