Weiße Fliegen sitzen an den Blattunterseiten und stieben als kleine weiße Wolke auf, sobald du die Pflanze berührst. Häng sofort Gelbtafeln auf, sauge die erwachsenen Tiere morgens mit einem Handstaubsauger ab und behandle die Blattunterseiten mit Kaliseife oder Neemöl. In der Wachstumsphase setzt du zusätzlich Schlupfwespen (Encarsia formosa) ein – sie räumen den Befall im geschlossenen Zelt am gründlichsten aus.
Sind es wirklich weiße Fliegen?
Die weiße Fliege ist keine echte Fliege, sondern eine Mottenschildlaus – im Growzelt fast immer die Gewächshausmottenschildlaus (Trialeurodes vaporariorum). Die erwachsenen Tiere sind nur 1–3 mm groß, mit einer mehligen, weißen Wachsschicht auf den Flügeln. Sie halten sich fast ausschließlich an den Blattunterseiten auf, wo sie Pflanzensaft saugen.
So grenzt du den Befall sauber ein:
- Schütteltest: Tipp leicht gegen einen Trieb. Stiebt eine weiße Wolke auf, die sich gleich wieder absetzt, sind es weiße Fliegen – keine Trauermücken (die krabbeln auf der Erde) und keine Spinnmilben (winzig, mit Gespinst).
- Blattunterseiten: Dort findest du die Tiere, dazu längliche Larven und spiralförmig abgelegte Eier.
- Honigtau: Ein klebriger Film auf den unteren Blättern, auf dem sich schwarzer Rußtau ansiedeln kann.
- Blattschäden: Gelbe oder durchscheinende Sprenkel auf der Blattoberseite durch das Saugen.
Bei meinem letzten Zelt-Grow ist mir der Befall erst beim Gießen aufgefallen, als von einer mittleren Pflanze eine winzige weiße Wolke hochstob. Seitdem gehört der Schütteltest bei jedem Kontrollgang dazu – er verrät die Tiere Tage früher als das bloße Hinschauen.
Schritt für Schritt: weiße Fliegen aus dem Zelt bekämpfen
Weiße Fliegen vermehren sich rasend schnell, deshalb zählt jeder Tag. Arbeite die Schritte in dieser Reihenfolge ab:
- Befall isolieren: Keine neuen Pflanzen mehr ins Zelt, und prüfe die Zuluft. Ein feinmaschiges Insektengitter am Zuluftschlauch verhindert, dass von außen Nachschub kommt.
- Gelbtafeln aufhängen: Häng gelbe Leimtafeln knapp über das Blätterdach, etwa eine Tafel pro 0,5 m². Sie fangen die fliegenden Weibchen und zeigen dir gleichzeitig, ob der Befall zu- oder abnimmt.
- Erwachsene absaugen: Früh am Morgen sind die Tiere noch träge. Sauge sie dann mit einem kleinen Handstaubsauger vorsichtig von den Blattunterseiten ab – das senkt die Population sofort spürbar.
- Blattunterseiten behandeln: Sprühe gründlich von unten mit Kaliseife (ca. 10–20 ml auf 1 Liter Wasser) oder Neemöl. Beides wirkt nur bei direktem Kontakt, die Eier erreichst du damit kaum.
- Wiederholen im 5–7-Tage-Takt: Genau deshalb musst du nachbehandeln, bis die frisch geschlüpften Larven erfasst sind. Drei bis vier Durchgänge sind normal.
- Stark befallene Blätter entfernen: Komplett überzogene untere Blätter abschneiden und sofort aus dem Zelt entsorgen, nicht im Zelt liegen lassen.
- Nützlinge einsetzen: In der Wachstumsphase sind Schlupfwespen (Encarsia formosa) die gründlichste Lösung – sie parasitieren die Larven und arbeiten im warmen, geschlossenen Zelt zuverlässig weiter, auch dort, wo du mit der Sprühflasche nicht hinkommst.
Wenn das nicht reicht
Geht der Befall nach zwei, drei Behandlungen nicht zurück, liegt es meist an einer dieser Ursachen:
- Du behandelst nur von oben. Eier und Larven sitzen unter dem Blatt. Wer die Sprühflasche nur über das Dach hält, erwischt fast nichts – dreh jedes Blatt um.
- Der Rhythmus stimmt nicht. Mit einer einzigen Anwendung kommst du nicht durch. Nach 5–7 Tagen schlüpft die nächste Generation – brichst du dann ab, ist alles umsonst.
- Nachschub von außen. Eine ungesicherte Zuluft oder eine neu eingeschleppte Pflanze füttert den Befall ständig nach. Quelle finden und dichtmachen.
- Klima begünstigt die Tiere. Warm-feuchte, schlecht belüftete Luft beschleunigt die Vermehrung. Halte 20–25 °C und sorge für stetige Luftbewegung.
Befall in der Blütephase – Vorsicht beim Sprühen
Sobald sich Blüten bilden, gilt: kein Neemöl und keine Seifenlösung mehr auf die Buds. Die Rückstände bleiben auf dem Ernteprodukt und die Restfeuchte in dichten Blüten lädt zu Schimmel ein. In der Blüte setzt du stattdessen auf Gelbtafeln, gezieltes Absaugen und Schlupfwespen. Höchstens die unteren, blütenfreien Blätter darfst du noch vorsichtig von unten behandeln.
Warum weiße Fliegen im Growzelt so schnell explodieren
Ein Weibchen legt im Laufe seines Lebens grob 80–300 Eier, die nach rund sechs Tagen schlüpfen. Vom Ei bis zum fertigen, selbst wieder eierlegenden Tier vergehen bei Zelt-Temperaturen nur etwa vier Wochen. In dem warmen, windstillen und geschützten Mikroklima eines Growzelts fehlen außerdem die natürlichen Feinde, die einen Befall draußen bremsen würden. Aus einer Handvoll übersehener Tiere wird so binnen zwei bis drei Wochen eine Plage – genau deshalb sind frühe Erkennung und konsequentes Nachbehandeln wichtiger als jedes einzelne Mittel.
So beugst du dem nächsten Befall vor
- Quarantäne: Neue Stecklinge oder Pflanzen erst ein bis zwei Wochen getrennt beobachten, bevor sie ins Zelt dürfen.
- Gelbtafeln dauerhaft: Schon ab dem ersten Tag eine Tafel im Zelt – sie ist dein Frühwarnsystem.
- Routine-Check: Bei jedem Gießen ein paar Blattunterseiten umdrehen und den Schütteltest machen.
- Klima im Griff: 20–25 °C, gute Abluft und keine Staunässe halten die Vermehrung niedrig.
- Sauberkeit: Pflanzenreste und altes Substrat zwischen den Grows aus dem Zelt entfernen.
Häufige Fragen
Sind weiße Fliegen für Cannabis gefährlich?
Ja. Sie saugen Pflanzensaft, schwächen die Pflanze und scheiden klebrigen Honigtau aus, auf dem sich Rußtau ansiedelt. Unbehandelt vermehren sie sich rasant und können Ertrag und Qualität deutlich mindern – früh eingreifen lohnt sich.
Was hilft sofort gegen weiße Fliegen im Growzelt?
Gelbtafeln aufhängen, die trägen Tiere morgens absaugen und die Blattunterseiten mit Kaliseife oder Neemöl einsprühen. Behandlung alle 5–7 Tage wiederholen, bis keine neuen Tiere mehr schlüpfen.
Darf ich in der Blütephase gegen weiße Fliegen sprühen?
Nicht auf die Blüten. Neemöl und Seifenlösung hinterlassen Rückstände und Restfeuchte in den Buds begünstigt Schimmel. In der Blüte setzt du auf Gelbtafeln, Absaugen und Schlupfwespen.
Wie unterscheide ich weiße Fliegen von Trauermücken?
Weiße Fliegen sitzen an den Blattunterseiten und stieben beim Berühren als helle Wolke auf. Trauermücken krabbeln und fliegen über der feuchten Erde. Auch die Larven sitzen an unterschiedlichen Stellen – Blatt versus Substrat.
Woher kommen weiße Fliegen im Growzelt?
Meist über neu eingeschleppte Pflanzen oder Stecklinge oder durch eine ungesicherte Zuluft. Quarantäne für neue Pflanzen und ein Insektengitter am Zuluftschlauch verhindern den Großteil der Befälle.




