Ein durchschnittlicher Indoor-Grow im 80×80-Zelt mit einer 250-Watt-LED, Abluft und Umluftventilator zieht über einen kompletten Zyklus (rund 12 Wochen) etwa 350 kWh. Bei einem Strompreis von 35 Cent/kWh sind das ungefähr 120 bis 130 Euro pro Grow. Größere Zelte, ein Entfeuchter oder eine Winterheizung treiben den Wert schnell Richtung 200 bis 300 Euro.
Welche Geräte überhaupt in die Rechnung gehören
Die Stromrechnung eines Grows besteht nie nur aus der Lampe. Drei Gruppen von Verbrauchern arbeiten zusammen, und gerade die unscheinbaren laufen am längsten:
- Beleuchtung (LED): der größte Posten, je nach Setup 60–70 % der Kosten. Entscheidend ist die tatsächliche Leistungsaufnahme an der Steckdose, nicht die beworbene „Vergleichsleistung“.
- Abluft & Umluft: Abluftlüfter und kleiner Clip- oder Umluftventilator laufen oft 24 Stunden am Tag. Einzeln klein (10–35 W), in Summe über Wochen aber spürbar.
- Klimatechnik nach Bedarf: Entfeuchter in der Blüte, eine Heizung im Winter oder eine kleine Wasserpumpe. Diese Geräte sind die Wildcard – sie entscheiden, ob dein Grow günstig oder teuer wird.
Ein Begriff vorweg: kWh (Kilowattstunde) ist die Einheit, in der dein Stromzähler zählt. 1000 Watt, eine Stunde lang betrieben, ergeben 1 kWh – und genau danach rechnet dein Versorger ab.
Schritt für Schritt: Stromkosten deines Grows berechnen
Die Grundformel ist simpel und gilt für jedes einzelne Gerät:
Watt × Stunden pro Tag × Tage ÷ 1000 × Strompreis (€/kWh) = Kosten
- Reale Wattzahl jedes Geräts notieren. Vom Typenschild oder besser mit einem Energiekostenmessgerät (Zwischenstecker, ca. 10–15 €) direkt an der Steckdose messen. Eine LED läuft selten exakt auf ihrer Nennleistung.
- Lichtstunden pro Phase trennen. In der Wachstumsphase (Veg) leuchtet die LED meist 18 Stunden, in der Blüte 12 Stunden. Diese beiden Phasen getrennt rechnen, sonst stimmt das Ergebnis nicht.
- Zyklusdauer festlegen. Ein photoperiodischer Grow dauert grob 4 Wochen Veg (28 Tage) plus 8 Wochen Blüte (56 Tage), zusammen etwa 84 Tage. Autoflower liegen oft bei 10–11 Wochen, leuchten dafür durchgehend 18–20 Stunden.
- Verbrauch je Gerät ausrechnen und alle Posten zu kWh aufaddieren.
- Mit deinem echten Strompreis multiplizieren. Den findest du auf der letzten Jahresabrechnung (€/kWh), nicht aus einem Durchschnittswert raten.
So sieht das für ein typisches 80×80-Setup mit 250-W-LED über 84 Tage bei 0,35 €/kWh konkret aus:
| Gerät | Leistung | Laufzeit | Verbrauch | Kosten |
|---|---|---|---|---|
| LED in der Veg | 250 W | 18 h × 28 Tage | 126 kWh | 44,10 € |
| LED in der Blüte | 250 W | 12 h × 56 Tage | 168 kWh | 58,80 € |
| Abluftlüfter | 20 W | 24 h × 84 Tage | 40 kWh | 14,11 € |
| Umluftventilator | 10 W | 24 h × 84 Tage | 20 kWh | 7,06 € |
| Summe | ≈ 354 kWh | ≈ 124 € |
Ein größeres 100×100-Zelt mit 400-W-LED und etwas kräftigerer Abluft landet nach derselben Rechnung bei rund 570 kWh, also ungefähr 180 bis 220 Euro pro Grow.
Warum deine echte Rechnung oft höher ausfällt
Die Tabelle oben ist das günstige Grundgerüst. In der Praxis kommen meist Posten dazu, die viele beim Planen unterschlagen:
- Entfeuchter in der Blüte: Ein 200-W-Gerät, das in der zweiten Hälfte der Blüte täglich 8 Stunden läuft, schlägt über 56 Tage mit rund 90 kWh (etwa 31 €) zu Buche – oft der zweitgrößte Einzelposten nach der LED.
- Heizung im Winter: Steht das Zelt in einem kühlen Raum, kann eine kleine Heizung den Verbrauch in der kalten Jahreszeit verdoppeln. Sommer-Grows sind deshalb deutlich günstiger als Winter-Grows.
- Steigender Strompreis: 2026 liegt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis laut BDEW bei rund 37 Cent/kWh; günstige Neukundentarife starten bei etwa 26–28 Cent. Allein die Tarifwahl verschiebt die Grow-Kosten um 20–30 %.
Bei meinem ersten Grow im Zelt hatte ich nur die LED als Kostenfresser auf dem Schirm und für den Rest grob „ein paar Euro“ veranschlagt. Erst als ich ein Energiekostenmessgerät zwischen Steckdose und Steckerleiste hängte, sah ich, dass die rund um die Uhr laufende Abluft samt Umluftventilator über die Wochen einen ganzen Batzen ausmachte, den ich nie eingeplant hatte. Seitdem messe ich jeden Verbraucher einzeln, bevor ich eine Kostenprognose mache.
Wie du die Stromkosten spürbar senkst
- Effiziente LED statt Billiglampe: Moderne Vollspektrum-LEDs liefern mehr Lichtleistung (µmol/J) pro Watt. Eine gute Lampe kostet beim Kauf mehr, spart aber über jeden Grow Strom und Hitze.
- LED dimmen, wenn die Phase es zulässt: In der frühen Veg brauchen junge Pflanzen nicht die volle Leistung. Weniger Watt heißt direkt weniger kWh.
- Abluft über Steuerung regeln: Ein Temperatur-/Feuchtecontroller lässt den Lüfter nur laufen, wenn er muss, statt dauerhaft auf voller Stufe.
- Wärme nutzen: Im Winter heizt die LED-Abwärme das Zelt mit – das senkt den Heizbedarf, wenn du Ablufttiming und Raum clever kombinierst.
- Stromtarif vergleichen: Der mit Abstand größte Hebel. Bei 350 kWh pro Grow sind 10 Cent Preisunterschied schon 35 Euro pro Zyklus.
Hintergrund: Warum die LED den Großteil ausmacht
Licht ist die Energiequelle, aus der die Pflanze über Photosynthese ihre Masse aufbaut – entsprechend hoch ist der Leistungsbedarf der Beleuchtung. Eine LED setzt zwar einen größeren Teil der aufgenommenen Energie in nutzbares Licht um als alte Natriumdampflampen (NDL) und erzeugt weniger Abwärme, läuft aber eben viele Stunden täglich über Wochen. Genau diese lange Laufzeit, nicht die kurzfristige Wattzahl, macht sie zum Hauptposten. Wer beim Lampenkauf auf Effizienz achtet, spart deshalb bei jedem einzelnen Grow doppelt: weniger Stromkosten und weniger Hitze, die wieder weggekühlt werden müsste.
Häufige Fragen
Was kostet ein kompletter Indoor-Grow an Strom?
Ein typisches 80×80-Zelt mit 250-W-LED, Abluft und Ventilator verbraucht über rund 12 Wochen etwa 350 kWh. Bei 35 Cent/kWh sind das ca. 120 bis 130 Euro pro Grow. Mit Entfeuchter oder Winterheizung steigt der Wert auf 200 bis 300 Euro.
Wie berechne ich die Stromkosten meiner Growbox?
Mit der Formel: Watt x Stunden pro Tag x Tage / 1000 x Strompreis in Euro/kWh. Rechne jedes Gerät einzeln und trenne Veg (18 Stunden Licht) und Blüte (12 Stunden), dann addiere alle kWh zusammen.
Welches Gerät verbraucht im Grow am meisten Strom?
Die LED-Beleuchtung macht meist 60 bis 70 Prozent der Stromkosten aus, weil sie täglich viele Stunden läuft. Zweitgrößter Posten ist oft ein Entfeuchter in der Blüte, danach die rund um die Uhr laufende Abluft.
Wie viel kostet eine kWh Strom 2026?
2026 liegt der durchschnittliche Haushaltsstrompreis laut BDEW bei rund 37 Cent pro kWh. Günstige Neukundentarife beginnen bei etwa 26 bis 28 Cent. Den genauen Wert findest du auf deiner Jahresabrechnung.
Wie senke ich die Stromkosten beim Indoor-Grow?
Der größte Hebel ist eine effiziente LED plus ein günstiger Stromtarif. Dazu LED in der frühen Veg dimmen, die Abluft über einen Controller regeln statt dauerhaft volle Stufe, und im Winter die LED-Abwärme zum Heizen nutzen.




