Nährstoffmangel bei Cannabis: Blatt-Tabelle zum Bestimmen

Cannabis-Fächerblätter mit Nährstoffmangel: gelbe Verfärbung zwischen den grünen Blattadern und rostbraune Flecken im Indoor-Growzelt.

Gelbe, gefleckte oder verbrannte Blätter verraten den Nährstoffmangel über zwei Fragen: Sind zuerst die unteren (alten) oder die oberen (neuen) Blätter betroffen, und wie sieht das Muster aus – gleichmäßig gelb, genau zwischen den Adern oder an Spitzen und Rändern? Untere Blätter deuten auf bewegliche Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium), obere auf festsitzende (Calcium, Eisen, Zink). Vor dem Düngen aber immer zuerst den pH-Wert prüfen.

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Häufige Fragen

Sind zuerst die alten oder die neuen Blätter betroffen?

Bewegliche Nährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium, Magnesium) zeigen Mangel zuerst an den unteren, alten Blättern. Festsitzende Nährstoffe (Calcium, Eisen, Schwefel, Zink) treffen zuerst das junge Wachstum oben. Die Blattposition halbiert die Kandidatenliste.

Warum soll ich vor dem Düngen den pH-Wert prüfen?

Viele vermeintliche Mängel sind in Wahrheit eine pH-Sperre: Der Nährstoff steckt im Substrat, die Pflanze kommt bei falschem pH nur nicht heran. Mehr düngen verschlimmert das dann sogar. Erst pH korrigieren, ein paar Tage beobachten, dann entscheiden.

Welcher pH-Wert ist für die Nährstoffaufnahme optimal?

In Erde liegt der Bereich bei 6,0 bis 7,0, in Kokos bei 5,8 bis 6,3 und in Hydroponik bei 5,5 bis 6,5. Schon eine Abweichung von rund 0,5 Punkten kann einzelne Nährstoffe blockieren.

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Gelbe untere Blätter in der Blüte – immer Stickstoffmangel?

Nein. In der späten Blüte zieht die Pflanze planmäßig Stickstoff aus den unteren Blättern ab, sie vergilben also von Natur aus. Solange die oberen Buds gesund bleiben, ist das normal und kein Grund nachzudüngen.

Neues Wachstum gelb mit grünen Adern – was ist das?

Leuchtend gelbe junge Blätter mit deutlich grün bleibenden Adern deuten auf Eisenmangel, einen festsitzenden Nährstoff. Meist steckt ein zu hoher pH-Wert dahinter, der die Eisenaufnahme blockiert – zuerst den pH senken.

Nährstoffmangel-Tabelle: Blattsymptome auf einen Blick

NährstoffZuerst betroffenTypisches BlattbildErste Maßnahme
Stickstoff (N)untere / alte Blättergleichmäßig blassgrün bis gelb, von unten nach oben fortschreitend, Blätter fallen abpH prüfen, dann stickstoffbetonten Wuchsdünger; in der späten Blüte ist das Vergilben normal
Phosphor (P)untere / alte Blätterdunkel blau-grün, rot-violette Blattstiele, bronze- bis violettfarbene Flecken, gebremster WuchspH prüfen (bei zu niedrigem pH blockiert), Blütedünger einsetzen
Kalium (K)untere / mittlere Blätterbraune, wie verbrannte Blattspitzen und -ränder, Ränder kräuseln sich, später Gelb dazwischenpH prüfen, Kaliumzufuhr; nicht mit Nährstoffbrand (Überdüngung) verwechseln
Magnesium (Mg)untere / mittlere BlätterGelb genau zwischen den Blattadern, Adern bleiben grün, später rostbraune Flecken, Spitzen kräuseln nach obenBittersalz oder Cal-Mag, pH bei 6,0–6,5 halten
Calcium (Ca)neue / obere Blätterbraune Tüpfel und kleine Flecken, verkrüppeltes, verdrehtes Neuwachstum, hakige BlattspitzenCal-Mag ergänzen, besonders bei Osmose- oder sehr weichem Wasser
Eisen (Fe)neue / obere Blätterjunge Blätter leuchtend gelb, die feinen Adern bleiben deutlich grünpH senken (bei zu hohem pH blockiert), Mikronährstoffe
Schwefel (S)neue / obere Blätterjunge Blätter gleichmäßig blassgelb – das ganze Blatt, nicht nur zwischen den Adernseltener Fall; Volldünger oder Cal-Mag, pH prüfen
Zink (Zn)neue / obere Blätterweiß-gelbe Streifen zwischen den Adern, kleine, verdrehte neue BlätterMikronährstoff-Gabe, pH leicht in den sauren Bereich

Wichtig vorab: Sehr viele vermeintliche Mängel sind in Wahrheit eine pH-Sperre. Der Nährstoff steckt im Substrat, die Pflanze kommt nur nicht heran. Deshalb steht in fast jeder Zeile „pH prüfen“ an erster Stelle.

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Schritt für Schritt: Mangel bestimmen und beheben

  1. pH messen – Gießwasser und Ablauf (Runoff). Zielbereiche: Erde 6,0–7,0, Kokos 5,8–6,3, Hydro 5,5–6,5. Liegt der Wert daneben, zuerst korrigieren und 2–3 Tage beobachten, bevor du überhaupt an Dünger denkst.
  2. Etage bestimmen. Schau, ob die Symptome zuerst unten (alte Blätter) oder oben (neues Wachstum) auftauchen – das halbiert die Kandidatenliste sofort.
  3. Muster lesen. Gleichmäßig gelb, zwischen den Adern, braune Tüpfel oder verbrannte Spitzen? Halte das Bild neben die Tabelle.
  4. Nährstoff eingrenzen. Position plus Muster ergeben in der Regel genau einen wahrscheinlichen Kandidaten.
  5. Eine Änderung pro Mal. Bessere gezielt nach – nicht alles gleichzeitig – und gib der Pflanze 3–5 Tage. Neues Wachstum zeigt, ob es wirkt; bereits geschädigte Blätter erholen sich nicht mehr.

Wenn das nicht klappt: vier häufige Verwechslungen

  • pH-Sperre statt echter Mangel. Die häufigste Ursache. Der Nährstoff ist da, der falsche pH blockiert die Aufnahme. Mehr düngen verschlimmert es nur.
  • Überdüngung (Nährstoffbrand). Braune, verbrannte Spitzen sehen aus wie Kaliummangel, kommen aber oft von einer zu hohen Salzkonzentration. Hier hilft ein hoher EC-Wert im Ablauf als Gegenprobe.
  • Wurzelprobleme oder Überwässerung. Faule oder ständig nasse Wurzeln nehmen kaum etwas auf – das Blatt zeigt Mangel, obwohl genug Dünger vorhanden ist.
  • Zu kalte Wurzelzone. Unter etwa 18 °C bremst die Pflanze die Aufnahme; das imitiert besonders gern einen Phosphor- oder Magnesiummangel.

Beim letzten Zelt-Grow hielt ich verbrannte Blattspitzen in der mittleren Etage für Kaliummangel und hatte die Düngerflasche schon in der Hand. Beim Nachmessen war der EC-Wert im Ablauf aber deutlich zu hoch – es war kein Mangel, sondern das Gegenteil: Überdüngung. Seitdem messe ich erst Runoff-pH und -EC, bevor ich überhaupt nachlege. Das eine Messgerät hat mir seitdem mehr Fehlgriffe erspart als jeder neue Dünger.

Hintergrund: Warum die Blattposition den halben Befund verrät

Cannabis verteilt Nährstoffe nach Bedarf um. Bewegliche Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium kann die Pflanze aus alten Blättern abziehen und ins junge, wichtigere Wachstum verlagern. Wird einer davon knapp, opfert sie zuerst die unteren Blätter – dort siehst du den Mangel also als Erstes. Festsitzende Nährstoffe wie Calcium, Eisen, Schwefel und Zink lassen sich nicht umverteilen; fehlen sie, leidet sofort das frische Wachstum an der Spitze. Genau deshalb ist die erste Frage immer „oben oder unten?“ – sie trennt die beiden Nährstoffgruppen, noch bevor du das Muster überhaupt deutest.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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