EC-Wert beim Cannabis-Anbau: Tabelle für jede Phase

Digitales EC-Messgerät in einem Glas Nährlösung vor Cannabispflanzen im Growzelt

Der EC-Wert misst, wie viele Nährsalze in deinem Gießwasser gelöst sind – angegeben in mS/cm. In Erde bewegst du dich grob zwischen 0,4 mS/cm beim Sämling, 1,0–1,4 in der Wachstumsphase und 1,6–1,8 in der Hauptblüte; vor der Ernte spülst du auf unter 0,4. In Coco und Hydro liegen die Werte jeweils rund 0,2–0,4 mS/cm höher, weil das Substrat nicht puffert.

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Was der EC-Wert wirklich anzeigt

EC steht für Electrical Conductivity, also die elektrische Leitfähigkeit deiner Nährlösung. Reines Wasser leitet kaum Strom – erst gelöste Salze machen es leitfähig. Je mehr Dünger im Wasser steckt, desto höher der EC. Gemessen wird meist in mS/cm (Millisiemens pro Zentimeter); manche Geräte zeigen µS/cm oder rechnen in ppm um.

Wichtig zu verstehen: Der EC-Wert sagt dir nur, wie viel Salz gelöst ist – nicht, welche Nährstoffe. Zwei Pflanzen können denselben EC haben und trotzdem unterschiedlich versorgt sein. Der Wert ist also ein Mengen-Messer, kein Nährstoff-Analyse-Gerät. Genau deshalb misst du EC immer zusammen mit dem pH-Wert, der darüber entscheidet, ob die Wurzeln das Angebot überhaupt aufnehmen können.

EC-Wert-Tabelle für Cannabis nach Wachstumsphase

Die folgenden Werte sind Richtwerte in mS/cm. Die linke Spalte gilt für Erde, die rechte für Coco und Hydro – dort darf es etwas höher sein, weil das Substrat keine Reserven aufbaut. Junge oder empfindliche Sorten startest du eher am unteren Ende, kräftige Esser vertragen das obere.

PhaseErde (mS/cm)Coco / Hydro (mS/cm)
Keimung / Sämling0,2–0,60,6–0,8
Frühe Vegetation0,8–1,21,0–1,4
Volle Vegetation1,2–1,41,4–1,6
Frühe Blüte1,4–1,61,6–1,8
Hauptblüte1,6–1,81,8–2,2
Späte Blüte1,2–1,61,4–1,8
Spülen (letzte 1–2 Wochen)unter 0,4unter 0,4

Diese Zahlen beziehen sich auf den EC deiner fertig angesetzten Nährlösung. Steht auf deinem Leitungswasser schon ein Grundwert (oft 0,3–0,5 mS/cm), rechnest du den mit ein: Du düngst bis zum Zielwert, nicht zusätzlich obendrauf. In Erde mit vorgedüngtem Substrat brauchen Sämlinge die ersten Wochen oft gar keinen Extra-Dünger – hier reicht der Wasserwert.

EC richtig messen – Eingang und Ablauf

Ein EC-Messgerät kostet wenig und gehört zur Grundausstattung. Wichtig ist nicht nur, dass du misst, sondern was du misst: die Nährlösung vor dem Gießen verrät dein Angebot, das Ablaufwasser verrät den tatsächlichen Zustand am Wurzelballen.

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  1. Gerät kalibrieren: Vor der Saison einmal mit Kalibrierlösung einstellen, Elektrode sauber und feucht halten. Ein dreckiges Gerät misst Unsinn.
  2. Nährlösung messen: Dünger ins Wasser, gut umrühren, dann den EC der fertigen Lösung prüfen und mit der Tabelle abgleichen.
  3. Normal gießen: So viel, dass etwa 10–20 % als Überschuss unten ablaufen (Run-off). Ohne Ablauf kannst du den Wurzelbereich nicht kontrollieren.
  4. Ablaufwasser messen: Nach rund 30 Minuten den Run-off auffangen und den EC messen. Liegt er deutlich über dem Eingangswert, haben sich Salze im Substrat angesammelt.
  5. In Hydro: Den Tank rund 30 Minuten nach der Bewässerung prüfen – hier driftet der EC am schnellsten.

Wie oft? In Erde reicht ein Check pro Gießgang oder alle paar Tage, in Coco alle 2–3 Tage, in Hydro täglich. Je direkter die Wurzeln am Wasser hängen, desto schneller schlägt ein Fehler durch.

Zu hoher oder zu niedriger EC – woran du es erkennst

Ein zu hoher EC bedeutet Überdüngung. Typisch sind verbrannt wirkende, krallenartig nach unten gekrümmte Blätter und braune, vertrocknete Blattspitzen (Nährstoffbrand). Die Lösung: die Nährlösung verdünnen oder das Substrat mit klarem, pH-eingestelltem Wasser durchspülen, bis der Ablauf-EC wieder im Zielbereich liegt.

Ein zu niedriger EC heisst Unterversorgung: gleichmässiges Vergilben der älteren Blätter von unten nach oben, blasses Grün, langsames Wachstum. Hier erhöhst du die Düngermenge schrittweise um etwa 0,2 mS/cm und beobachtest die Pflanze ein paar Tage, bevor du nachlegst.

Ein Fehler, der mich einen ganzen Grow lang verfolgt hat: Ich habe lange nur den EC meiner frisch angesetzten Nährlösung kontrolliert und war zufrieden, weil der sauber im Zielbereich lag. Den Ablauf habe ich nie aufgefangen. Als die Blattspitzen in der Blüte trotzdem anfingen zu verbrennen, habe ich endlich den Run-off gemessen – und der lag fast doppelt so hoch wie das, was reinging. Über Wochen hatten sich Salze in der Erde aufgestaut, von denen mein Eingangs-EC nichts ahnte. Seitdem messe ich immer beides; der Eingangswert ist nur die halbe Wahrheit.

Warum EC und pH zusammengehören

Der beste EC bringt nichts, wenn der pH-Wert nicht stimmt. Liegt er ausserhalb des optimalen Fensters – etwa 6,0–7,0 in Erde, 5,5–6,2 in Coco und Hydro – können die Wurzeln einzelne Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, obwohl sie reichlich gelöst sind. Das nennt sich Nährstoff-Lockout: voller Tank, verschlossene Tür.

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Deshalb sind beide Werte ein Paar. Der EC zeigt, wie viel auf dem Teller liegt, der pH entscheidet, ob die Pflanze überhaupt zugreifen kann. Wer nur einen der beiden misst, diagnostiziert mit halbem Bild – und greift im Zweifel zum falschen Gegenmittel.

Häufige Fragen

In welcher Einheit wird der EC-Wert gemessen?

Meist in mS/cm (Millisiemens pro Zentimeter). Manche Geräte zeigen µS/cm oder rechnen in ppm um – achte beim Vergleich von Tabellen immer auf dieselbe Einheit, sonst sind die Zahlen nicht vergleichbar.

Welcher EC-Wert ist in der Blüte optimal?

In Erde liegt die Hauptblüte bei etwa 1,6–1,8 mS/cm, in Coco und Hydro bei 1,8–2,2. Zur Ernte hin senkst du den Wert und spülst die letzten ein bis zwei Wochen auf unter 0,4 mS/cm.

Wie senke ich einen zu hohen EC-Wert?

Verdünne die Nährlösung mit klarem Wasser oder spüle das Substrat mit pH-eingestelltem Wasser durch, bis der Ablauf-EC wieder im Zielbereich liegt. Reduziere danach die Düngermenge schrittweise.

Misst man EC im Gießwasser oder im Ablauf?

Am besten beides. Die Nährlösung zeigt dein Angebot, das Ablaufwasser (Run-off) zeigt den tatsächlichen Zustand am Wurzelballen. Liegt der Ablauf deutlich höher, haben sich Salze angestaut.

Muss ich in Erde überhaupt den EC messen?

Nicht zwingend, aber es hilft. Vorgedüngte Erde versorgt Sämlinge oft die ersten Wochen allein. Sobald du düngst, schützt das Messen vor Überdüngung – gerade weil Erde Salze speichert.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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