EC-Wert bei Cannabis: Tabelle nach Phase + richtig messen

Digitales EC-Messgerät in einer Nährlösung vor jungen Cannabispflanzen im Growzelt

Der EC-Wert verrät dir, wie viel Dünger tatsächlich in deiner Nährlösung steckt. In Erde liegst du beim Sämling bei 0,4–0,8, in der Vegetation bei 0,8–1,4 und in der Hauptblüte bei 1,6–1,8 mS/cm. Gemessen wird mit einem kalibrierten EC-Messgerät — einmal die fertige Gießlösung, einmal das Ablaufwasser aus dem Topf. Die Differenz zeigt, ob deine Pflanze überdüngt oder unterversorgt ist.

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Was der EC-Wert misst — und warum er über deine Düngung entscheidet

EC steht für electrical conductivity, also die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung. Reines Wasser leitet kaum Strom; sobald Nährsalze darin gelöst sind, steigt die Leitfähigkeit. Je mehr Mineralsalze, desto höher der EC-Wert. Damit ist der EC-Wert nichts anderes als ein Tachometer für die Gesamtkonzentration an Nährstoffen in deinem Gießwasser — unabhängig davon, welcher Dünger drinsteckt.

Gemessen wird in mS/cm (Millisiemens pro Zentimeter). Manche günstigen Geräte zeigen stattdessen µS/cm oder „CF“ an: 1,0 mS/cm entspricht 1000 µS/cm und CF 10 — derselbe Wert, andere Skala.

Der EC-Wert ist deshalb so nützlich, weil zu viele und zu wenige Nährstoffe beide das Wachstum bremsen. Ein zu niedriger Wert bedeutet Hunger: blasse, nicht kräftig grüne Blätter, schwache Stängel und zähes Wachstum. Ein zu hoher Wert bedeutet Überdüngung: braune, verbrannte Blattspitzen, nach unten kräuselndes Laub und dunkles, verhärtetes Grün. Der EC-Wert lässt dich beides erkennen, bevor die Pflanze sichtbar leidet.

EC-Wert-Tabelle für Cannabis nach Wuchsphase

Die folgenden Werte gelten für die fertige Gießlösung (Leitungswasser-EC plus Dünger). Da Erde von Natur aus puffert, Coco fast gar nicht und Hydro überhaupt nicht, unterscheiden sich die Zielbereiche je nach Substrat. Starte im unteren Bereich und taste dich hoch — nachdüngen ist einfacher als auswaschen.

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PhaseErdeCocoHydro
Keimung / Sämling0,4–0,80,6–1,00,6–1,0
Vegetation0,8–1,41,2–1,61,2–1,6
Frühe Blüte1,4–1,61,4–1,81,4–1,8
Hauptblüte1,6–1,81,8–2,21,6–2,0
Späte Blüte1,2–1,61,4–1,81,2–1,6
Spülen (Flush)<0,4<0,4<0,4

Alle Angaben in mS/cm. Wichtig: Das ist der Zielwert der Gießlösung, nicht des Ablaufwassers. Junge Sämlinge und frisch bewurzelte Stecklinge reagieren empfindlich — hier lieber am unteren Rand bleiben. Autoflower-Sorten vertragen tendenziell etwas weniger als kräftige Photoperiodische; auch da gilt: beobachten statt nach Maximum düngen.

EC-Wert richtig messen — Schritt für Schritt

  1. Gerät kalibrieren. Ein EC-Messgerät driftet mit der Zeit. Kalibriere es regelmäßig mit Kalibrierflüssigkeit (üblich ist 1,413 mS/cm). Ohne Kalibrierung misst du Fantasiewerte.
  2. Gießlösung anrühren und messen. Dünger ins Wasser geben, gut umrühren, dann die Elektrode eintauchen. Stelle den EC auf den Zielwert deiner Phase aus der Tabelle ein. Reihenfolge merken: erst EC einstellen, dann den pH-Wert korrigieren — Düngerzugabe verschiebt den pH.
  3. Bis zum Ablauf gießen. Wassere so, dass rund 10–20 % der Gießmenge unten aus dem Topf laufen. Dieses Ablaufwasser (englisch runoff) zeigt, was in der Wurzelzone wirklich ankommt.
  4. Ablaufwasser messen. Fange etwas Ablauf auf und miss dessen EC. So erkennst du, ob sich Salze im Substrat anstauen oder ob die Pflanze die Nährstoffe sauber aufnimmt.
  5. Differenz bewerten. Der Ablauf-EC sollte maximal etwa 20–30 % über dem Gieß-EC liegen. Bei Hydro tauchst du das Gerät einfach direkt in den Tank und vergleichst Zulauf gegen Rücklauf.

Wenn die Werte nicht stimmen: Ablaufwasser richtig lesen

Die Tabelle gibt dir den Startpunkt — die Wahrheit steht im Ablaufwasser. Drei typische Situationen:

  • Ablauf deutlich höher als Zulauf: Es stauen sich Salze im Substrat. Folge sind verbrannte Spitzen und drohender Lockout, bei dem die Wurzeln trotz vollem Nährstoffangebot nichts mehr aufnehmen. Spüle mit klarem, pH-eingestelltem Wasser (EC unter 0,4) durch, bis der Ablauf wieder im Zielbereich liegt, und senke danach die Düngermenge.
  • Ablauf niedriger als Zulauf: Die Pflanze zehrt mehr Nährstoffe, als du nachlieferst. Bei kräftigem Wuchs in der Vegetation oder frühen Blüte darfst du den Gieß-EC vorsichtig in Schritten von 0,1–0,2 anheben.
  • Ablauf im Zielbereich: Passt. Nährstoffbalance stimmt, weiter beobachten.

Ein typischer Anfängerfehler steckt in genau diesem Schritt: Beim letzten Zelt-Grow düngte ich in Coco nach Flaschenplan und maß nur die Gießlösung, nie den Ablauf. Der Gieß-EC sah harmlos aus, aber im Ablauf kletterte er Richtung 2,6 — Coco puffert eben kaum, und die Salze hatten sich über Wochen aufgebaut. Sichtbar wurde es erst an verbrannten Spitzen in der oberen Etage. Seitdem messe ich bei Coco grundsätzlich den Ablauf mit; das hätte mir den ganzen Salzstau erspart.

Zwei weitere Stolperfallen: Eine verdunstende Reservoir-Lösung in Hydro lässt den EC ohne dein Zutun steigen — mit klarem Wasser nachfüllen, nicht mit voller Nährlösung. Und ein unkalibriertes Gerät täuscht dir Probleme vor, die es gar nicht gibt; im Zweifel zuerst die Kalibrierung prüfen, bevor du am Dünger drehst.

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EC oder PPM — warum die Skala oft verwirrt

Viele Geräte zeigen statt EC einen PPM-Wert (parts per million) an. Das Problem: Für die Umrechnung gibt es zwei konkurrierende Standards. Die US-Skala (500er) rechnet 1,0 mS/cm = 500 ppm, die europäische Skala (700er) rechnet 1,0 mS/cm = 700 ppm. Zwei Grower mit identischer Nährlösung können so völlig unterschiedliche PPM-Zahlen ablesen, je nach Gerät.

Deshalb ist mS/cm die verlässlichere Referenz: Ein EC-Wert ist eindeutig, eine PPM-Zahl nur mit Angabe der Skala. Wenn du in einem Forum eine PPM-Empfehlung liest, frag immer, welche Skala gemeint ist — sonst düngst du schnell um 40 % daneben.

Hintergrund: Warum reagiert die Pflanze so empfindlich?

Wurzeln nehmen Wasser über Osmose auf — Wasser wandert vom Ort niedriger Salzkonzentration zum Ort höherer. Ist der EC im Substrat zu hoch, dreht sich dieser Sog teilweise um: Die salzreiche Bodenlösung zieht der Wurzel Wasser ab, statt sie zu versorgen. Das Resultat sieht aus wie Trockenheit (welke, verbrannte Ränder), obwohl genug gegossen wurde — daher der Begriff Nährstoffbrand.

Der EC-Wert sagt dir allerdings nur die Gesamtmenge an Salzen, nicht deren Zusammensetzung. Ein perfekter EC schließt einen einzelnen Mangel — etwa Magnesium oder Calcium — nicht aus. EC und pH steuern die Aufnahme, die Blattdiagnose verrät dir, welcher Nährstoff konkret fehlt. Erst beide Werte zusammen mit einem Blick auf die Blätter ergeben das vollständige Bild.

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Häufige Fragen

Welcher EC-Wert ist für Cannabis in Erde ideal?

In Erde liegt der Zielwert der Gießlösung beim Sämling bei 0,4–0,8 mS/cm, in der Vegetation bei 0,8–1,4 und in der Hauptblüte bei 1,6–1,8. Zum Spülen am Ende auf unter 0,4 senken. Coco und Hydro vertragen jeweils etwas höhere Werte, weil sie kaum puffern.

Soll ich den EC-Wert oder PPM nehmen?

Nimm mS/cm. PPM ist mehrdeutig, weil es zwei Umrechnungsskalen gibt: die US-500er (1,0 EC = 500 ppm) und die europäische 700er (1,0 EC = 700 ppm). Dieselbe Lösung ergibt je nach Gerät unterschiedliche PPM-Zahlen, während der EC-Wert eindeutig bleibt.

Was bedeutet ein steigender EC im Ablaufwasser?

Liegt der Ablauf-EC mehr als 20–30 % über dem Gieß-EC, stauen sich Salze in der Wurzelzone. Das führt zu verbrannten Spitzen und Nährstoff-Lockout. Spüle mit klarem, pH-eingestelltem Wasser unter EC 0,4, bis der Ablauf wieder im Zielbereich liegt, und dünge danach schwächer.

Wie messe ich den EC-Wert richtig?

Kalibriere das Gerät mit Kalibrierflüssigkeit, miss die fertig angerührte Gießlösung und stelle sie auf den Zielwert ein. Gieße dann bis etwa 10–20 % Ablauf, fange diesen auf und miss ihn ebenfalls. Die Differenz zeigt, ob überdüngt oder unterversorgt wird.

Was passiert bei zu hohem EC-Wert?

Zu viele gelöste Salze ziehen der Wurzel über Osmose Wasser ab, statt sie zu versorgen. Sichtbar wird das als Nährstoffbrand: braune, verbrannte Blattspitzen, kräuselndes Laub und dunkles, verhärtetes Grün. Gegenmaßnahme ist Spülen mit klarem Wasser und niedrigere Düngung.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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