Cannabis durchläuft vier Wachstumsphasen: Keimung (2–7 Tage), Sämlingsphase (1–3 Wochen), Vegetationsphase (2–8 Wochen) und Blütephase (7–10 Wochen). Indoor läuft ein photoperiodischer Grow vom Samen bis zur Ernte meist 10–16 Wochen. Den Wechsel in die Blüte steuerst du über den Lichtwechsel auf 12 Stunden Licht – Autoflower-Sorten blühen dagegen von selbst, unabhängig vom Lichtplan.
Die vier Wachstumsphasen auf einen Blick
Jede Phase hat eigene Ansprüche an Licht, Luftfeuchte und Nährstoffe. Wer weiß, in welcher Phase die Pflanze gerade steckt, gießt, düngt und beleuchtet sie richtig – das ist die halbe Miete für eine saubere Ernte. Die folgenden Zeitspannen sind Richtwerte für den Indoor-Anbau; Sorte und Bedingungen verschieben sie nach oben oder unten.
| Phase | Dauer (indoor) | Licht | Luftfeuchte |
|---|---|---|---|
| Keimung | 2–7 Tage | schwach / 18 h | ~70 % |
| Sämling | 1–3 Wochen | 18/6 | 60–70 % |
| Vegetation | 2–8 Wochen | 18/6 | 50–65 % |
| Blüte | 7–10 Wochen | 12/12 | 40–50 % |
Der Lichtplan „18/6″ bedeutet 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit am Tag, „12/12″ entsprechend je 12 Stunden. Genau dieser Wechsel von 18 auf 12 Stunden Licht löst bei photoperiodischen Sorten die Blüte aus.
Phase 1: Keimung – aus dem Samen wird ein Keimling
In der Keimung saugt sich der Samen mit Wasser voll, sprengt die Schale und schiebt ein erstes Würzelchen (die Keimwurzel) heraus. Das dauert in der Regel zwei bis sieben Tage. Gängige Methoden sind das Anquellen zwischen feuchten Küchentüchern, direkt in der Anzuchterde oder in Quelltabletten.
Wichtig ist gleichmäßige Feuchtigkeit – nicht nass – und eine Temperatur um 22–25 °C. Sobald die Keimwurzel ein bis zwei Zentimeter lang ist, kommt der Samen mit der Wurzel nach unten in die Erde. Über der Erde erscheinen kurz darauf die beiden runden Keimblätter (Kotyledonen), die noch nicht zur eigentlichen Pflanze gehören, sondern dem Samen als Startenergie dienen.
Phase 2: Sämlingsphase – die ersten echten Blätter
Die Sämlingsphase dauert etwa ein bis drei Wochen. Nach den runden Keimblättern bilden sich die ersten „echten“ Blätter mit den typischen gezackten Fingern – zuerst einfingrig, dann drei-, fünf- und siebenfingrig. Die Pflanze ist jetzt klein, das Wurzelsystem noch zart und sehr empfindlich gegenüber Überwässerung und zu viel Dünger.
In dieser Phase brauchst du Geduld statt Eingriffen:
- Licht: 18 Stunden täglich, die Lampe eher höher hängen, damit der Sämling nicht „vergeilt“ (zu langer, dünner Stängel durch Lichtmangel).
- Wasser: sparsam, am besten rund um den Stängel, damit die Wurzeln dem Wasser entgegenwachsen.
- Luftfeuchte: hoch (60–70 %), weil der Sämling noch viel Feuchtigkeit über die Blätter aufnimmt.
- Dünger: noch keiner oder stark verdünnt – eine gute Anzuchterde liefert anfangs genug.
Phase 3: Vegetationsphase – jetzt wächst die Struktur
Die Vegetationsphase (kurz „Veg“) ist die Phase des reinen Wachstums: Die Pflanze legt Stängel, Seitentriebe und große Blätter an, ohne schon Blüten zu bilden. Indoor läuft sie meist vier bis sechs Wochen, kann aber je nach Sorte und Zielgröße zwischen zwei und acht Wochen oder länger dauern. Du steuerst die Länge selbst: Solange die Lampe 18 Stunden brennt, bleibt eine photoperiodische Pflanze in der Vegetation.
Worauf es jetzt ankommt:
- Licht: 18/6 ist der bewährte Standard; manche Grower fahren bis zu 24 Stunden.
- Nährstoffe: Der Hauptbedarf liegt auf Stickstoff (N) für Blatt- und Stängelwachstum, ergänzt durch Kalium, Magnesium und Calcium.
- Klima: 20–30 °C und 50–65 % Luftfeuchte.
- Training: In dieser Phase greifen Anbautechniken wie Topping oder Low-Stress-Training, um eine breite, gleichmäßige Krone aufzubauen.
Wie groß du die Pflanze in der Veg werden lässt, entscheidet später über die Erntemenge – aber auch darüber, ob sie ins Zelt passt. Denn nach dem Wechsel in die Blüte kommt die Streckung.
Phase 4: Blütephase – Buds, Harz und Geduld
Bei photoperiodischen Sorten startest du die Blüte aktiv, indem du den Lichtplan auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umstellst (der sogenannte „Flip“). Die Pflanze interpretiert die längeren Nächte als nahenden Herbst und beginnt zu blühen. Die Blütephase dauert je nach Sorte sieben bis zehn Wochen.
Was in der Blüte passiert
- Streckung: In den ersten ein bis drei Wochen nach dem Flip schießt die Pflanze oft noch einmal kräftig in die Höhe – plane diesen Höhenzuwachs beim Lampenabstand mit ein.
- Blütenbildung: An den Trieben erscheinen zuerst feine weiße Härchen (Blütenstempel/Pistillen), aus denen sich die dichten Blütenstände (Buds) entwickeln.
- Harz: Auf Blüten und Blättchen bilden sich die Trichome – winzige, glänzende Harzdrüsen, in denen die Wirkstoffe sitzen.
Das Klima sollte jetzt trockener sein (40–50 % Luftfeuchte), um Schimmel und Knospenfäule in den dichter werdenden Buds vorzubeugen. Beim Dünger verschiebt sich der Bedarf weg vom Stickstoff hin zu mehr Phosphor und Kalium.
Ernte: Wann sind die Blüten reif?
Den genauen Erntezeitpunkt liest du nicht am Kalender ab, sondern an den Trichomen. Mit einer Juwelierlupe (30- bis 60-fach) oder einem USB-Mikroskop erkennst du ihren Reifegrad an der Farbe:
- Klar/glasig: noch unreif – zu früh geerntet, Wirkung und Ertrag schwächer.
- Milchig-weiß: höchster Wirkstoffgehalt, eher klare, anregende Wirkung.
- Bernsteinfarben: reifer, mit zunehmend ruhigerer, schwererer Wirkung.
Ein verbreiteter Richtwert ist die Ernte, wenn rund 70 % der Trichome milchig und etwa 20–30 % bernsteinfarben sind, während kaum noch glasklare zu sehen sind. Nach dem Schnitt folgen Trocknen und Fermentieren (Curing) – zwei Schritte, die über Aroma und Qualität ebenso entscheiden wie der Anbau selbst.
Warum die Dauer so stark schwankt: Photoperiodisch vs. Autoflower
Die größte Unbekannte beim Zeitplan ist die Genetik. Zwei Sortentypen verhalten sich grundlegend anders:
- Photoperiodische Sorten blühen erst, wenn du den Lichtplan auf 12/12 umstellst. Das gibt dir die Kontrolle: eine kurze Veg ergibt kleine Pflanzen, eine lange Veg große. Vom Samen bis zur Ernte landest du je nach Veg-Länge meist bei 10–16 Wochen.
- Autoflowering-Sorten wechseln nach drei bis vier Wochen von selbst in die Blüte – unabhängig vom Licht. Sie sind oft schon nach rund 10–12 Wochen erntereif, lassen sich aber kaum über die Veg-Länge steuern.
Wer das erste Mal anbaut, kommt mit einer robusten Autoflower oft schneller und unkomplizierter ans Ziel; photoperiodische Sorten belohnen später mit mehr Kontrolle und meist höherem Ertrag.
Stolperfalle: zu früh in die Blüte geschickt
Eine Lektion aus dem eigenen Zelt: Bei einem frühen Indoor-Grow habe ich photoperiodische Pflanzen schon bei rund 25 cm Höhe auf 12/12 umgestellt, weil ich es kaum erwarten konnte, Buds zu sehen. Dass eine Pflanze in der Blüte ihre Höhe oft noch einmal um die Hälfte bis ums Doppelte zulegt, hatte ich unterschätzt – am Ende standen kleine Pflanzen mit entsprechend bescheidener Ernte im Zelt. Seitdem lasse ich photoperiodische Sorten erst etwa die halbe gewünschte Endhöhe erreichen, bevor ich den Flip auslöse. Die Veg-Dauer ist keine Pflichtangabe, sondern dein Hebel für die spätere Größe.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Cannabis-Grow vom Samen bis zur Ernte?
Indoor dauert ein photoperiodischer Grow meist 10–16 Wochen: rund 2–7 Tage Keimung, 1–3 Wochen Sämling, 2–8 Wochen Vegetation und 7–10 Wochen Blüte. Autoflower-Sorten sind oft schon nach etwa 10–12 Wochen erntereif.
Wann wechselt Cannabis von der Wachstums- in die Blütephase?
Photoperiodische Sorten blühen, sobald du den Lichtplan auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umstellst (den sogenannten Flip). Autoflower-Sorten wechseln nach etwa 3–4 Wochen von selbst, unabhängig vom Lichtplan.
Welcher Lichtplan gilt in welcher Phase?
Sämling und Vegetation laufen mit 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit (18/6). Für die Blüte stellst du photoperiodische Pflanzen auf 12/12 um. Autoflower können durchgehend mit 18 Stunden Licht laufen.
Woran erkenne ich, dass die Blüten erntereif sind?
Am besten an den Trichomen unter einer Lupe: Ein verbreiteter Richtwert ist die Ernte, wenn rund 70 % milchig-weiß und 20–30 % bernsteinfarben sind und kaum noch glasklare Trichome zu sehen sind.




