Vorgezogene Cannabis-Setzlinge kommen in Deutschland nach den Eisheiligen ins Freie – also etwa ab dem 15. Mai, sobald die Nächte stabil über 10 °C bleiben. Die Aussaat startest du drinnen schon ab Mitte April. Photoperiodische Sorten erntest du dann Ende September bis Oktober, schnelle Autoflower bereits ab Ende Juli.
Der Eigenanbau im Freien ist seit dem Cannabisgesetz (CanG, 01.04.2024) für Erwachsene erlaubt – bis zu drei Pflanzen pro Person, vor dem Zugriff Dritter und Kindern geschützt. Wann genau du startest, entscheidet über Ertrag und darüber, ob die Buds vor dem Herbstregen reif werden.
Wann ist es draußen warm genug zum Auspflanzen?
Junge Pflanzen sind frostempfindlich – ein einziger Spätfrost killt einen Sämling. Die Faustregel ist deshalb der Volksmund-Kalender der Gärtner: die Eisheiligen (11.–15. Mai: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Kalte Sophie) gelten als letzte zuverlässige Frostperiode. Erst danach geht es dauerhaft raus.
Zwei Signale entscheiden konkret:
- Nachttemperatur: dauerhaft über 10 °C. Fällt sie darunter, lass die Pflanzen noch drinnen oder hol sie nachts rein.
- Region: Im milden Südwesten (Oberrhein, Teile Bayerns und Baden-Württembergs) kannst du ein bis zwei Wochen früher dran sein. Im Norden, in Küstennähe und in Mittelgebirgslagen lieber bis Ende Mai warten.
Aussaat- und Auspflanz-Fahrplan Schritt für Schritt
- Mitte April – keimen und vorziehen: Samen keimen lassen und die Sämlinge drinnen am hellen Fenster oder unter einer Lampe (16–18 Stunden Licht) anziehen. So gewinnst du vier bis sechs Wochen Vorsprung gegenüber einer Direktsaat.
- Anfang Mai – abhärten: 7 bis 10 Tage vor dem Umzug die Pflanzen tagsüber stundenweise nach draußen stellen und die Zeit langsam steigern. So gewöhnen sie sich an direkte Sonne und Wind, ohne einen Schock zu bekommen.
- Ab ca. 15. Mai – auspflanzen: In den Endtopf (mindestens 30–50 Liter, besser 65 Liter) oder ins Beet setzen. Standort mit 6–8 Stunden direkter Sonne wählen, geschützt vor Dauerwind und vor fremden Blicken.
- Juni–Juli – wachsen und trainieren: Hauptwachstum. Trainingsmaßnahmen wie LST (Herunterbinden) oder Topping spätestens Anfang Juli abschließen, damit sich die Pflanze vor der Blüte erholt.
- Ab Mitte August – Blüte: Die kürzer werdenden Tage lösen bei photoperiodischen Sorten die Blüte aus. Jetzt auf Phosphor-/Kalium-betonte Düngung umstellen.
- Ende September–Oktober – Ernte: Geerntet wird, wenn die Trichome milchig-trüb mit einzelnen bernsteinfarbenen Köpfchen sind – und auf jeden Fall vor Dauerregen und erstem Frost.
Aussaat- und Erntekalender für Deutschland
| Monat | Photoperiodische Sorten | Autoflower |
|---|---|---|
| April | Vorzucht drinnen starten | noch zu kalt – warten |
| Mai | Nach Eisheiligen auspflanzen | 1. Durchgang aussäen (Mitte Mai) |
| Juni–Juli | Vegetation, Training | 1. Durchgang in Blüte; ab Anfang Juli 2. Durchgang aussäen |
| August | Blütebeginn durch kürzere Tage | 1. Durchgang Ernte (Ende Juli/Anfang Aug.) |
| September–Oktober | Hauptblüte und Ernte | 2. Durchgang Ernte (Mitte/Ende Sept.) |
Photoperiodisch oder Autoflower – was passt zu deinem Start?
Die Wahl der Genetik verschiebt den ganzen Zeitplan, deshalb lohnt sich die Entscheidung vor dem Samenkauf.
Photoperiodische Sorten richten sich nach dem Tageslicht: Sie wachsen den ganzen Sommer und gehen erst ab Mitte August in die Blüte. Das bringt große Pflanzen und den höchsten Ertrag, aber nur eine Ernte pro Jahr – und der Start muss früh genug liegen, sonst bleibt die Pflanze klein.
Autoflower (Ruderalis-Genetik) blüht zeitgesteuert rund 3–4 Wochen nach der Keimung, unabhängig vom Licht. Ein kompletter Zyklus dauert nur 8–12 Wochen. Das macht zwei Durchgänge in einer Saison möglich:
- 1. Durchgang: Aussaat Mitte Mai → Ernte Ende Juli/Anfang August.
- 2. Durchgang: Aussaat Anfang Juli → Ernte Mitte/Ende September.
Ein dritter Durchgang nach Mitte Juli ist riskant, weil Kälte und Herbstregen die Qualität drücken.
Wenn der Zeitplan nicht aufgeht
Drei Fehler verschieben oder ruinieren regelmäßig die Saison:
- Zu früh ausgepflanzt: Ein Kälteeinbruch nach dem Auspflanzen lässt Sämlinge stehenbleiben oder erfrieren. Kündigt sich Frost an, deck die Pflanzen mit Gartenvlies ab oder hol sie über Nacht rein.
- Photoperiodische zu spät gestartet: Wer erst Ende Juni auspflanzt, hat ein Problem – die Blüte startet trotzdem ab Mitte August. Die Pflanze hatte dann kaum Zeit zu wachsen und bleibt klein. In dem Fall lieber auf Autoflower wechseln.
- Sämlinge vergeilt: Aus dem Zelt kenne ich, wie schnell Sämlinge bei zu schwachem Licht lange, dünne Stängel schieben. Am Fensterbrett ist das Risiko noch größer – steht das Vorzucht-Licht nicht dicht genug, kippen die Pflänzchen beim Umzug nach draußen leicht um.
Warum startet die Blüte erst im August?
Cannabis ist eine Kurztagpflanze. Nicht die Helligkeit, sondern die Länge der Dunkelphase ist das Signal: Über das Pflanzenpigment Phytochrom misst die Pflanze, wie lang die Nächte werden. Ab der Sommersonnenwende (21. Juni) werden die Tage wieder kürzer. Sobald die Tageslänge ab etwa Mitte August unter den kritischen Wert (grob 14 Stunden) fällt, schaltet die Pflanze von Wachstum auf Blüte – ihr biologisches Zeichen, dass der Herbst naht. Autoflower ignoriert dieses Signal dank der eingekreuzten Ruderalis-Gene und blüht rein nach Alter.
Häufige Fragen
Ab wann darf man Cannabis outdoor pflanzen?
Vorgezogene Pflanzen kommen nach den Eisheiligen (etwa ab 15. Mai) ins Freie, sobald die Nächte dauerhaft über 10 °C liegen. Im milden Südwesten geht es etwas früher, im Norden eher Ende Mai.
Wann erntet man Outdoor-Cannabis in Deutschland?
Photoperiodische Sorten werden meist von Ende September bis in den Oktober geerntet, vor dem ersten Frost. Schnelle Autoflower sind je nach Aussaattermin bereits ab Ende Juli erntereif.
Kann man Cannabis direkt draußen aussäen?
Möglich ist es ab Mitte/Ende Mai, aber riskant: Kälte, Schnecken und unbeständiges Wetter kosten Sämlinge. Drinnen vorziehen und nach den Eisheiligen auspflanzen ist deutlich sicherer und bringt Wachstumsvorsprung.
Wie viele Cannabis-Pflanzen darf ich outdoor anbauen?
Seit dem CanG (01.04.2024) sind für Erwachsene bis zu drei Pflanzen pro Person erlaubt – am Wohnsitz, geschützt vor dem Zugriff Dritter und vor Kindern. Handel und gewerblicher Anbau bleiben verboten.
Welche Sorten eignen sich fürs deutsche Outdoor-Klima?
Robuste, schimmelresistente und früh reifende Genetiken wie Northern Lights, Critical, Early Skunk oder Frisian Dew gelten als bewährt, weil sie vor dem feuchten Herbst fertig werden.




