Gegossen wird nicht nach Kalender, sondern nach Substrat: Erst wenn die obersten zwei bis drei Zentimeter trocken sind und der Topf spürbar leicht wird, kommt Wasser. Pro Gabe rund 10 bis 20 Prozent des Topfvolumens – ein 11-Liter-Topf bekommt also 1 bis 2 Liter, bis unten etwa ein Zehntel als Ablaufwasser herausläuft. In der Vegetation heißt das meist alle zwei bis vier Tage, in der Blüte eher alle ein bis drei Tage.
Wann ist die Pflanze wirklich durstig?
Die häufigste Gießfrage lautet „wie oft“ – dabei ist „wann“ die bessere Frage. Cannabis braucht zwischen den Wassergaben eine Trockenphase, sonst ersticken die Wurzeln. Zwei einfache Checks sagen dir verlässlicher als jeder feste Rhythmus, ob es Zeit ist:
- Fingerprobe: Steck den Finger bis zum ersten Knöchel (etwa 2–3 cm) ins Substrat. Fühlt es sich dort trocken an, darf gegossen werden. Ist es noch feucht, wartest du.
- Topfgewicht: Ein frisch gegossener Topf ist deutlich schwer, ein durchgetrockneter überraschend leicht. Dieses Gefühl bekommst du nach wenigen Gießvorgängen in die Hand – es ist der zuverlässigste Indikator, weil es das Wasser im ganzen Topf misst, nicht nur an der Oberfläche.
Wichtig: Die Oberfläche trocknet immer zuerst. Wenn oben alles staubtrocken aussieht, kann der untere Wurzelballen noch klatschnass sein. Verlass dich deshalb nie allein auf den Anblick der Erdkrume.
Wie viel Wasser je nach Topfgröße?
Die Gießmenge hängt direkt am Topfvolumen. Als Faustregel gibst du pro Gabe etwa 10 bis 20 Prozent des Topfinhalts – so viel, dass das Substrat komplett durchnässt wird und unten rund 10 bis 20 Prozent als Ablaufwasser (Runoff) herauskommen. Mehr Runoff bringt nichts und erhöht nur das Risiko von Staunässe.
| Topfgröße | Wasser pro Gabe (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|
| 3 Liter | 0,3–0,6 Liter | trocknet schnell, häufiger prüfen |
| 5 Liter | 0,5–1 Liter | guter Vegetationstopf |
| 11 Liter | 1–2 Liter | verbreiteter Endtopf im Zelt |
| 15 Liter | 1,5–3 Liter | länger zwischen den Gaben |
| 20 Liter | 2–4 Liter | seltener, dafür kräftig gießen |
Sämlinge sind die Ausnahme: Sie bekommen unabhängig von der Topfgröße nur kleine Mengen, etwa 200 bis 500 ml, im Ring rund um den Stängel verteilt – nicht den ganzen großen Topf fluten. Die wenigen Wurzeln können das viele Wasser sonst nicht aufnehmen, und das Substrat bleibt tagelang nass.
Eine Rolle spielt auch das Material: Stofftöpfe atmen und trocknen schneller als geschlossene Plastiktöpfe gleicher Größe. Im Stofftopf gießt du also tendenziell etwas häufiger, im Plastiktopf seltener.
Wie oft gießen – nach Wachstumsphase
Eine starre Zahl gibt es nicht, weil Pflanzengröße, Topf, Temperatur und Luftfeuchte den Verbrauch steuern. Die folgenden Intervalle sind Richtwerte für einen typischen Indoor-Grow im Zelt – entscheidend bleibt immer der Trockenheits-Check oben:
- Sämling/Keimling: alle 3–4 Tage kleine Gaben; das Substrat soll feucht, aber nie nass sein.
- Vegetation: meist alle 2–4 Tage. Mit zunehmender Blattmasse steigt der Durst.
- Blüte: oft alle 1–3 Tage, weil große Pflanzen mehr verdunsten. Gegen Ende lässt der Verbrauch wieder etwas nach.
Steigende Temperaturen, mehr Licht und niedrige Luftfeuchte erhöhen den Wasserbedarf zusätzlich. An heißen Sommertagen im Zelt kann sich der Abstand spürbar verkürzen.
Schritt für Schritt richtig gießen
- Zeitpunkt wählen: Morgens kurz nach dem Einschalten der Lampe gießen. So hat die Pflanze den ganzen Tag, um das Wasser zu verbrauchen, und der Topf geht nicht über Nacht klatschnass in die Dunkelphase.
- Wasser vorbereiten: Zimmerwarmes Wasser (etwa 18–22 °C) verwenden, kein eiskaltes direkt aus der Leitung. Den pH-Wert auf rund 6,0–6,5 in Erde (5,5–6,0 in Coco) einstellen, damit die Wurzeln die Nährstoffe aufnehmen können.
- Langsam und gleichmäßig gießen: Das Wasser in Etappen rund um den Stamm verteilen, nicht in einem Schwall in die Mitte kippen. So nimmt das ganze Substrat Wasser auf, statt dass es an den Rändern vorbeiläuft.
- Bis zum Runoff gießen: Weitergießen, bis unten etwa 10–20 Prozent Ablaufwasser herauskommen. Das spült Salzreste aus und stellt sicher, dass auch der untere Wurzelballen erreicht wird.
- Ablaufwasser entfernen: Stehendes Wasser im Untersetzer wegkippen – dauerhaft nasse Topfböden führen zu „wet feet“ und Wurzelproblemen.
- Abtrocknen lassen: Erst wieder gießen, wenn die obersten Zentimeter trocken sind und der Topf leicht wird. Dieser Trocken-Nass-Wechsel ist der ganze Trick.
Wenn die Pflanze trotz Gießen schlappmacht
Hängende Blätter sind das klassische Verwirrspiel, weil sowohl zu viel als auch zu wenig Wasser gleich aussehen können. So unterscheidest du:
- Überwässerung: Die Blätter hängen nach unten und wirken prall, fest und nach unten eingerollt („Klaue“), das Substrat ist dauerhaft nass, das Wachstum kriecht. Lösung: länger abtrocknen lassen, kleinere Mengen, für mehr Luftbewegung sorgen.
- Unterversorgung: Die Blätter hängen dünn und papierig schlaff, der Topf ist federleicht, die Erde löst sich vom Rand. Hier hilft – langsam – gründliches Durchwässern.
- Salzaufbau/Lockout: Braune Blattspitzen trotz regelmäßiger Düngung deuten auf angesammelte Salze. Einmal kräftig bis zu deutlichem Runoff durchspülen schafft oft Abhilfe.
Eine Stolperfalle aus eigenem Zelt-Grow: Im Stofftopf habe ich anfangs jeden Abend nur einen halben Liter nachgekippt – die Oberfläche war immer schön dunkel, also schien alles zu passen. Gewachsen ist trotzdem kaum etwas. Beim Umsetzen sah ich, warum: Nur die oberen Zentimeter waren feucht, die untere Topfhälfte staubtrocken, die Wurzeln hingen oben fest. Seit ich seltener, dafür komplett bis zum Ablaufwasser gieße und den Topf danach richtig leicht werden lasse, ziehen die Wurzeln nach unten – und der nächste Wachstumsschub kam prompt. Wenig und oft füttert nur die Oberfläche; selten und gründlich baut ein tiefes Wurzelwerk.
Warum der Trocken-Nass-Zyklus so entscheidend ist
Wurzeln brauchen nicht nur Wasser, sondern auch Sauerstoff. Im nassen Substrat sind die Luftporen mit Wasser gefüllt – steht es zu lange so, bekommen die Wurzeln keine Luft und beginnen zu faulen. Trocknet das Substrat zwischen den Gaben an, strömt frische Luft nach, und die Wurzeln wachsen aktiv dem abziehenden Wasser hinterher, also in die Tiefe. Genau dieser Wechsel aus nass und antrocknend baut ein kräftiges, weitreichendes Wurzelwerk – die Basis für eine durstige, ertragsstarke Pflanze. Wer dagegen ständig feucht hält, hält die Wurzeln flach und träge.
Häufige Fragen
Wie oft muss ich Cannabis gießen?
Es gibt keinen festen Rhythmus. Gieße, wenn die obersten 2–3 cm Substrat trocken sind und der Topf leicht wird – in der Vegetation meist alle 2–4 Tage, in der Blüte alle 1–3 Tage. Temperatur, Topf- und Pflanzengröße verschieben den Abstand.
Wie viel Wasser braucht ein Cannabis-Topf pro Gießvorgang?
Etwa 10–20 % des Topfvolumens. Ein 5-Liter-Topf bekommt rund 0,5–1 Liter, ein 11-Liter-Topf 1–2 Liter und ein 20-Liter-Topf 2–4 Liter – immer so viel, dass unten etwa 10–20 % als Ablaufwasser herauskommen.
Soll ich Cannabis jeden Tag gießen?
Normalerweise nein. Tägliches Gießen hält das Substrat dauernd nass und erstickt die Wurzeln. Die Pflanze braucht zwischen den Gaben eine Antrocknungsphase. Nur kleine Sämlinge oder sehr heiße Tage können kürzere Abstände nötig machen.
Woran erkenne ich, dass ich zu viel gegossen habe?
Typisch sind nach unten hängende, prall eingerollte Blätter („Klaue“), dauerhaft nasses Substrat und kriechendes Wachstum. Lass den Topf länger abtrocknen, gib kleinere Mengen und sorge für Luftbewegung.
Wann am Tag sollte ich gießen?
Am besten morgens, kurz nach dem Einschalten der Lampe. So verbraucht die Pflanze das Wasser über den Tag und geht nicht klatschnass in die Dunkelphase, was Wurzelfäule begünstigt.




