Entlaube photoperiodisches Cannabis in der Blüte an genau zwei Zeitpunkten: einmal direkt vor dem Umstellen auf 12/12 und ein zweites Mal rund um Tag 18 bis 21, sobald der Streckungsschub (der Wachstumsspurt zu Blütebeginn) vorbei ist. Entferne pro Durchgang nur große Fächerblätter, die Buds beschatten – als Einsteiger 15 bis 25 Prozent, nie mehr. Ab Blütewoche 4 lässt du die Schere stecken.
Beim Entlauben (Fachbegriff: Defoliation) nimmst du gezielt die großen Sonnen- oder Fächerblätter weg, damit mehr Licht und Luft an die unteren Blütenansätze kommen. Das kann den Ertrag heben – ist aber ein Eingriff, der die Pflanze stresst. Timing und Menge entscheiden, ob du Buds gewinnst oder die Blüte ausbremst.
Ist Entlauben in deinem Fall überhaupt sinnvoll?
Entlauben lohnt nicht bei jeder Pflanze. Es bringt etwas, wenn dein Bestand dicht und buschig ist, untere Knospen im Schatten liegen oder die Luftfeuchte im Zelt hoch bleibt und du das Schimmelrisiko senken willst. LED-Grower profitieren zusätzlich, weil LEDs weniger Tiefenwirkung haben als alte Natriumdampflampen – freigelegte untere Buds bekommen so überhaupt erst genug Licht.
Finger weg solltest du lassen, wenn:
- die Pflanze ohnehin schwächelt, gerade umgetopft wurde oder einen Mangel zeigt – Entlauben kommt nur auf gesunde, kräftige Pflanzen.
- du eine Autoflower ziehst. Autos haben einen festen Zeitplan und können Stress nicht über eine längere Wachstumsphase ausgleichen. Hier höchstens einzelne Blätter wegnehmen, die direkt auf einer Knospe liegen – niemals großflächig.
- du eine schlanke, von Natur aus luftige Sativa hast. Buschige Indicas vertragen den Eingriff deutlich besser.
Wann entlauben? Die zwei Zeitfenster in der Blüte
Cannabis streckt sich in den ersten zwei bis drei Wochen nach dem Lichtwechsel noch massiv – manche Sorten verdoppeln ihre Höhe. Erst danach legt die Pflanze die Energie in die Buds. Genau dieser Rhythmus gibt die Zeitfenster vor:
| Zeitpunkt | Phase | Wie viel entfernen |
|---|---|---|
| Tag 0 (Lichtwechsel) | kurz vor / mit Umstellung auf 12/12 | 20–30 % der Fächerblätter bei kräftigen Pflanzen |
| Tag 18–21 | nach dem Streckungsschub, früheste Blüte | 15–25 % als Einsteiger; nur was wirklich beschattet |
| ab Blütewoche 4 | Dickenwachstum der Buds | nicht mehr entlauben – nur einzelne tote Blätter zupfen |
Der Grund für die harte Grenze ab Woche 4: Ab da steckt die Pflanze ihre Kraft in das Auffüllen der Blüten. Reißt du jetzt noch Blätter ab, fehlt der Pflanze die Photosynthese-Fläche genau dann, wenn sie sie am dringendsten braucht – die Buds legen langsamer zu.
Schritt für Schritt: so entlaubst du sauber
- Werkzeug desinfizieren. Scharfe, saubere Schere oder Fingernägel; bei mehreren Pflanzen die Klinge zwischendurch mit Alkohol abwischen, um keine Krankheiten zu verschleppen.
- Nur große Fächerblätter ins Visier nehmen. Die kleinen Zuckerblätter, die direkt aus den Blüten wachsen, bleiben dran – sie betreiben Photosynthese und enthalten Wirkstoffe.
- Von innen und unten nach außen arbeiten. Zuerst weg: Blätter, die nach innen wachsen, andere Triebe oder Blütenansätze überdecken; dann vergilbte Altblätter an den unteren Nodien.
- Am Blattstiel ansetzen, nicht am Trieb. Sauber am Ansatz abnehmen, ohne den Haupttrieb zu quetschen oder Knospen abzubrechen.
- Mengen-Stopp einhalten. Als Faustregel: Wenn du nach dem Durchgang von oben aufs Blätterdach schaust, sollen Lichtflecken bis zu den unteren Buds durchkommen – aber die Pflanze darf nicht skelettiert aussehen.
- Zwei bis drei Tage Ruhe geben. Nach dem Entlauben keine weiteren Eingriffe (kein Umtopfen, kein Düngersprung), bis sich die Pflanze gefangen hat.
Eine radikalere Variante ist die komplette Entlaubung (im Grower-Slang auch „Schwitzkasten“-Methode), bei der bis zu 90 % der Fächerblätter fallen. Das ist eine Fortgeschrittenen-Technik mit hohem Risiko – als Einsteiger bleibst du bei den moderaten 15–25 %.
Wenn die Pflanze nach dem Entlauben schlapp macht
Ein leichter Durchhänger am selben Tag ist normal. Bleibt die Pflanze länger zurück, liegt es meist an einem von drei Punkten:
- Zu viel auf einmal entfernt. Mehr als grob ein Drittel in einem Durchgang schickt die Pflanze in einen Schock von mehreren Tagen bis über eine Woche. Lösung: künftig auf zwei Durchgänge im Abstand von rund einer Woche aufteilen.
- Zu spät entlaubt. Ein Eingriff ab Woche 4–5 bremst die Bud-Entwicklung spürbar. Dagegen hilft nur Geduld – beim nächsten Grow das Zeitfenster einhalten.
- Nährstoffe nicht angepasst. Eine entlaubte Pflanze braucht weniger Wasser und nimmt weniger Stickstoff über die Blätter auf. Steht der EC-Wert zu hoch, kann es zu Überdüngung kommen – Gabe in der Blüte etwas zurücknehmen und beobachten.
Beim letzten Zelt-Grow zog ich die zweite Entlaubung aus Bequemlichkeit erst auf Blütetag 28 – die oberen Tops liefen weiter, aber die unteren Buds, die ich eigentlich freilegen wollte, legten danach kaum noch zu. Seitdem markiere ich mir den Termin „Tag 18–21″ direkt nach dem Flip im Grow-Tagebuch, sonst rutscht er weg.
Hintergrund: Warum bringt Entlauben überhaupt mehr Ertrag?
Cannabis bildet Blüten dort am dichtesten, wo viel Licht ankommt. In einem dichten Bestand beschatten die großen Fächerblätter die tiefer sitzenden Knospen – diese bleiben luftig und klein („Larf“). Nimmst du die schattenwerfenden Blätter gezielt weg, erreicht das Licht auch die unteren Blütenansätze, und die Luft zirkuliert besser, was die Feuchtigkeit an den Buds senkt und Schimmel vorbeugt.
Der Haken: Fächerblätter sind die Solarzellen der Pflanze. Entfernst du zu viele oder zu spät, fehlt die Energie für genau das Bud-Wachstum, das du eigentlich fördern willst. Deshalb ist Entlauben kein „mehr ist besser“, sondern ein dosierter Eingriff – gerade so viel, dass Licht durchkommt, ohne der Pflanze die Kraftwerke wegzunehmen.
Häufige Fragen
Wann sollte man Cannabis in der Blüte entlauben?
An zwei Zeitpunkten: einmal kurz vor dem Umstellen auf 12/12 und ein zweites Mal rund um Tag 18 bis 21, sobald der Streckungsschub vorbei ist. Ab Blütewoche 4 solltest du nicht mehr entlauben, weil die Pflanze die Energie dann in die Buds steckt.
Wie viele Blätter darf man pro Durchgang entfernen?
Als Einsteiger 15 bis 25 Prozent der großen Fächerblätter, bei kräftigen Pflanzen rund um den Lichtwechsel auch 20 bis 30 Prozent. Mehr als ein Drittel auf einmal riskiert einen mehrtägigen Wachstumsschock.
Welche Blätter entfernt man, welche bleiben dran?
Weg kommen große Fächerblätter, die Buds beschatten, nach innen wachsen oder vergilbt sind. Die kleinen Zuckerblätter direkt an den Blüten bleiben dran, weil sie Photosynthese betreiben und Wirkstoffe enthalten.
Darf man Autoflower-Sorten in der Blüte entlauben?
Nur sehr vorsichtig. Autoflower haben einen festen Zeitplan und können Stress nicht über eine längere Wachstumsphase ausgleichen. Entferne höchstens einzelne Blätter, die direkt auf einer Knospe liegen – niemals großflächig.
Was tun, wenn die Pflanze nach dem Entlauben schlapp macht?
Ein leichter Durchhänger am selben Tag ist normal. Hält der Stillstand an, hast du meist zu viel auf einmal oder zu spät entlaubt. Gib zwei bis drei Tage Ruhe, keine weiteren Eingriffe, und nimm die Düngung etwas zurück, da entlaubte Pflanzen weniger Stickstoff aufnehmen.




