Ein Cal-Mag-Zusatz (Calcium plus Magnesium) ist immer dann nötig, wenn du in Coco-Substrat anbaust, mit Osmose- oder sehr weichem Wasser gießt oder hydroponisch growst — diese Setups liefern von sich aus zu wenig Calcium und Magnesium. In guter, vorgedüngter Erde mit normalem Leitungswasser brauchst du meist keinen. Tritt der Mangel auf, zeigen sich zuerst rostbraune Flecken und Aufhellungen an den mittleren bis unteren Blättern.
Cal-Mag ist kein Pflichtdünger für jeden Grow, sondern ein gezielter Lückenfüller. Bevor du eine weitere Flasche ins Regal stellst, lohnt der Blick auf zwei Fragen: Liefert mein Wasser plus Medium überhaupt genug Calcium und Magnesium? Und stimmt mein pH-Wert, damit die Pflanze aufnehmen kann, was schon da ist? Beides klären wir hier der Reihe nach.
Brauche ich überhaupt Cal-Mag? Die Schnell-Diagnose
Ob ein Zusatz Sinn ergibt, hängt fast vollständig von deinem Substrat und deinem Gießwasser ab. Geh die Punkte einmal von oben nach unten durch:
- Coco-Substrat (Kokosfasern): Cal-Mag praktisch von Anfang an einplanen. Coco bindet Calcium und Magnesium und gibt sie nur zögerlich frei — der Klassiker für einen Mangel.
- Osmosewasser (RO) oder sehr weiches Wasser: Zusatz nötig. Solches Wasser ist nahezu mineralfrei, es fehlt also die Grundversorgung, die hartes Leitungswasser mitbringt.
- Hydroponik: Cal-Mag gehört zur Grundrezeptur, weil du dort jeden Nährstoff selbst zuführst.
- Gute, vorgedüngte Erde mit normalem Leitungswasser: meist kein Zusatz. Lehm- und humusreiche Erden speichern über ihre Kationenaustauschkapazität genug von beiden Elementen, und Leitungswasser bringt weiteres Calcium und Magnesium mit.
Wenn mehrere dieser Punkte auf dich zutreffen — etwa Coco und Osmosewasser — steigt der Bedarf deutlich. Das ist der Setup-Klassiker für einen schleichenden Calcium-Magnesium-Mangel.
Calciummangel oder Magnesiummangel? So unterscheidest du sie
Beide treten oft gemeinsam auf, deshalb decken Cal-Mag-Produkte sie zusammen ab. Für die Diagnose hilft trotzdem der Unterschied:
- Magnesiummangel: beginnt an den unteren, älteren Blättern. Aufhellung zwischen den Blattadern (die Adern bleiben grün), die Ränder werden gelb und können krümelig-trocken werden, manchmal rötliche Stiele. Magnesium ist mobil, die Pflanze zieht es aus alten Blättern in den Neuaustrieb ab — darum unten zuerst.
- Calciummangel: trifft eher den oberen, neuen Austrieb. Kleine braune Flecken, verkrümmte oder verdrehte junge Blätter, geschwächte Stängel. Calcium ist unbeweglich, fehlt es, leidet das frische Gewebe zuerst.
Bei meinem letzten Zelt-Grow in Coco bin ich mitten in der Vegetationsphase auf Osmosewasser umgestiegen, weil mein Leitungswasser sehr hart ist. Keine zwei Wochen später saßen rostbraune Sprenkel auf den mittleren Blättern — klassischer Cal-Mag-Mangel, weil das weiche Wasser die Grundversorgung gekappt hatte. Seit ich Cal-Mag zu jeder Gabe mische, ist das Schadbild verschwunden.
Cal-Mag richtig zugeben: Schritt für Schritt
- Erst den pH-Wert prüfen, dann düngen. Ein falscher pH-Wert sperrt Calcium und Magnesium aus, selbst wenn beide reichlich vorhanden sind. Zielbereich in Erde 6,2–7,0; in Coco und Hydro 5,8–6,2. Liegt der Wert daneben, korrigierst du zuerst ihn — nicht die Düngermenge.
- Wasser und Medium einordnen. Miss den EC-Wert deines reinen Gießwassers. Sehr niedrig (Osmose, weiches Wasser) bestätigt den Bedarf; hartes Leitungswasser bringt oft schon genug Calcium mit.
- Nach Herstellerangabe dosieren, niedrig starten. Fertige Cal-Mag-Lösungen liegen je nach Produkt grob bei 1–2 ml pro Liter. Beginne am unteren Ende und steigere nur, wenn nötig. Wichtig ist das Verhältnis von etwa 3:1 bis 4:1 Calcium zu Magnesium — so blockiert kein Element die Aufnahme des anderen.
- In Coco und Hydro zu jeder Gabe mischen. Hier ist Cal-Mag Dauerbegleiter, nicht Notfallmittel. In Erde reicht es als gezielte Korrektur, wenn Symptome auftreten — Dauergaben können dort überdüngen.
- Neuaustrieb beobachten. Frisches, gesundes Wachstum zeigt sich meist innerhalb einer Woche. Bereits geschädigte Blätter erholen sich nicht mehr — die bleiben fleckig, das ist normal.
Reine Erd-Grower, die nur punktuell nachhelfen wollen, haben Alternativen: Dolomitkalk gleicht in der Erde Calcium und Magnesium langsam aus, Bittersalz (Epsom-Salz, etwa 1 Teelöffel pro 4 Liter) liefert gezielt Magnesium — beides aber bedacht und nicht zusätzlich zu einem vollen Cal-Mag-Programm.
Wenn der Zusatz nicht anschlägt
Hilft Cal-Mag nach einer Woche nicht, liegt fast immer eine andere Ursache vor:
- pH-Lockout: der häufigste Fall. Driftet der pH-Wert zu hoch oder zu tief, kommen Calcium und Magnesium trotz voller Flasche nicht in die Wurzel. Erst pH stabilisieren, dann neu bewerten.
- Überdüngung: Zu viel Cal-Mag oder ein Übermaß an Kalium kann die Aufnahme genau dieser Elemente blockieren. Mehr ist hier nicht besser.
- Wurzelprobleme: Staunässe oder beginnende Wurzelfäule lähmen die Aufnahme. Eine kranke Wurzel nimmt keinen Dünger auf, egal wie gut die Lösung ist.
- Sehr hohe Lichtleistung: Starke LEDs treiben das Wachstum und damit den Nährstoffbedarf hoch — bei einem schnell wachsenden Grow kann der Bedarf einfach über der bisherigen Gabe liegen.
Warum gerade Coco und Osmosewasser den Bedarf erzeugen
Hinter dem Schadbild steckt einfache Pflanzen-Chemie. Coco hat eine hohe Kationenaustauschkapazität und bindet positiv geladene Calcium- und Magnesium-Ionen zunächst an sich, bevor es sie freigibt — frisches, unbehandeltes Coco „fängt“ diese Elemente regelrecht ab, sodass der jungen Pflanze zu wenig bleibt. Osmose- und sehr weiches Wasser sind durch die Aufbereitung nahezu mineralfrei: Die stille Grundversorgung, die hartes Leitungswasser liefert, fällt weg.
Gute Erde macht genau das Gegenteil. Ihr Anteil an Ton und organischer Substanz speichert Calcium und Magnesium und gibt sie nach und nach ab — deshalb laufen viele Erd-Grows ganz ohne Zusatz. Und weil Magnesium in der Pflanze beweglich ist, Calcium dagegen nicht, verrät dir der Ort des Schadens, welches der beiden gerade fehlt: unten alt heißt Magnesium, oben neu heißt Calcium.
Häufige Fragen
Brauche ich Cal-Mag in normaler Erde?
Meist nicht. Gute, vorgedüngte Erde speichert über Ton und Humus genug Calcium und Magnesium, und normales Leitungswasser bringt zusätzlich beides mit. Cal-Mag lohnt in Erde nur als gezielte Korrektur, wenn tatsächlich Mangelsymptome auftreten.
Wie unterscheide ich Calcium- von Magnesiummangel?
Magnesiummangel beginnt an den unteren, älteren Blättern mit Aufhellung zwischen den grün bleibenden Adern. Calciummangel trifft den oberen Neuaustrieb mit braunen Flecken und verdrehten jungen Blättern. Cal-Mag deckt beide ab, weil sie oft gemeinsam auftreten.
Wie viel Cal-Mag pro Liter Wasser?
Fertige Lösungen liegen je nach Produkt grob bei 1–2 ml pro Liter. Starte am unteren Ende und steigere nur bei Bedarf. Halte ein Verhältnis von etwa 3:1 bis 4:1 Calcium zu Magnesium, damit kein Element die Aufnahme des anderen blockiert.
Warum hilft mein Cal-Mag nicht?
Häufigste Ursache ist ein falscher pH-Wert: Driftet er zu hoch oder zu tief, kann die Wurzel Calcium und Magnesium nicht aufnehmen, egal wie viel du gibst. Prüfe zuerst den pH (Erde 6,2–7,0; Coco/Hydro 5,8–6,2), dann Überdüngung und Wurzelgesundheit.
Muss ich Cal-Mag bei Osmosewasser immer zugeben?
Ja. Osmose- und sehr weiches Wasser sind nahezu mineralfrei, die natürliche Grundversorgung mit Calcium und Magnesium fehlt also komplett. Bei RO-Wasser gehört Cal-Mag zu jeder Nährstoffgabe, unabhängig vom Substrat.




