Blattdüngung bei Cannabis: Anleitung, Timing & Fehler

Cannabispflanze im Growzelt wird mit feinem Sprühnebel zur Blattdüngung besprüht

Blattdüngung – auch Foliar Feeding genannt – heißt, eine stark verdünnte Nährstofflösung als feinen Nebel direkt auf die Blätter zu sprühen. Die Pflanze nimmt einzelne Nährstoffe darüber schneller auf als über die Wurzeln. Sinnvoll ist das vor allem, um akuten Mangel zu überbrücken oder Mikronährstoffe wie Calcium und Magnesium zu ergänzen. Gesprüht wird ausschließlich bei ausgeschaltetem Licht – und niemals auf blühende Buds.

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Wann Blattdüngung sinnvoll ist – und wann nicht

Blattdüngung ist eine Notbremse und eine Ergänzung, kein Ersatz für die normale Düngung über das Substrat. Sie glänzt in drei Situationen: bei einem akut sichtbaren Mangel, den du schnell abfangen willst, während du die eigentliche Ursache an der Wurzel behebst; bei Mikronährstoffen wie Calcium und Magnesium, die sich über die Wurzel manchmal schlecht zustellen lassen; und bei jungen Pflanzen in der Wachstumsphase, deren Wurzelwerk noch klein ist.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Wurzelproblem: Sitzt die Ursache im Topf – etwa ein pH-Lockout, in dem der Boden Nährstoffe blockiert, oder ein durch Überwässerung erstickter Wurzelballen –, bringt Sprühen nur kurz Zeit. Der eigentliche Fehler muss trotzdem an der Wurzelzone gelöst werden. Und sobald die Blüte beginnt und sich Buds bilden, ist Schluss: Feuchtigkeit und Düngerreste zwischen den Blüten fördern Schimmel und setzen sich in Aroma und Rauch fest.

Ein grober Kompass, ob Sprühen überhaupt hilft: gut über das Blatt aufnehmbar sind kleine, gut bewegliche Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium, Magnesium und Calcium. Große, stark geladene Moleküle bleiben dagegen eher im Blatt stecken und verteilen sich kaum in der Pflanze.

Blattdüngung Schritt für Schritt anwenden

  1. Lösung ansetzen: weiches Wasser (idealerweise Osmose- oder Regenwasser) nehmen und chelatierte Nährstoffe verwenden – die werden über das Blatt besser aufgenommen. Dosierung niedrig halten: für junge Pflanzen etwa 25 %, für ausgewachsene höchstens 50 % der Menge, die du zur Wurzeldüngung nutzen würdest.
  2. pH einstellen: in Erde auf 6,0–7,0, in Coco oder Hydro auf 5,5–6,5. Ohne passenden pH-Wert werden die Nährstoffe schlechter gelöst und kaum aufgenommen.
  3. Netzmittel (optional): ein Tropfen Yucca-Extrakt oder ein mildes Netzmittel senkt die Oberflächenspannung, sodass sich der Nebel als feiner Film verteilt statt zu perlen.
  4. Timing: nur bei ausgeschaltetem Licht sprühen – rund 30 Minuten nach dem Ausschalten oder 1–2 Stunden bevor das Licht wieder angeht. Nie unter voller LED oder in der prallen Sonne.
  5. Ventilator aus: die Umwälzung kurz abstellen, damit der feine Nebel auf den Blättern landet und nicht verweht.
  6. Sprühen: Sprühkopf auf feinen Nebel stellen und gleichmäßig auftragen – besonders die Blattunterseiten, weil dort mehr Spaltöffnungen sitzen. Die Blätter sollen leicht feucht sein, nicht tropfnass.
  7. Abtrocknen lassen: nach 15–30 Minuten den Ventilator wieder anstellen, damit alles bis zum nächsten Lights-on abtrocknet. Stehende Nässe über Stunden lädt Pilze ein.
  8. Erst testen: beim ersten Mal nur eine Pflanze oder einen Zweig behandeln und 24 Stunden beobachten, bevor du das ganze Zelt sprühst.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich Cannabis über die Blätter düngen?

Als Ergänzung reicht meist einmal pro Woche in der Wachstumsphase. Bei akutem Mangel kannst du alle 2–3 Tage sprühen, bis die Wurzeldüngung greift – danach wieder reduzieren.

Bis wann darf ich Blattdüngung anwenden?

Spätestens mit Beginn der Blüte einstellen, sobald sich Buds bilden. Feuchtigkeit und Düngerreste auf den Blüten fördern Schimmel und beeinträchtigen Aroma und Rauch.

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Welchen pH-Wert sollte die Sprühlösung haben?

In Erde 6,0–7,0, in Coco oder Hydro 5,5–6,5. Ohne passenden pH-Wert werden die Nährstoffe schlechter gelöst und kaum aufgenommen.

Kann Blattdüngung die Wurzeldüngung ersetzen?

Nein. Über die Blätter werden nur etwa 15–20 % der Nährstoffe aufgenommen. Blattdüngung überbrückt Engpässe und ergänzt Mikronährstoffe, ist aber keine vollwertige Ernährung.

Warum nur bei ausgeschaltetem Licht sprühen?

Bei Licht können Wassertropfen wie kleine Lupen wirken und die Blätter verbrennen. Zudem sind die Blattporen im Dunkeln weiter geöffnet, was die Aufnahme verbessert.

Warum wirkt Blattdüngung überhaupt?

Die Blätter nehmen Nährstoffe über die Spaltöffnungen (Stomata) und über feine Poren in der wachsartigen Blattaußenhaut (Cuticula) auf. Kleine, bewegliche Moleküle wandern von dort weiter durch die Pflanze. Realistisch werden dabei aber nur rund 15–20 % der aufgesprühten Nährstoffe tatsächlich aufgenommen – deutlich weniger als die oft genannten „bis zu 95 %“. Genau deshalb bleibt Blattdüngung ein Zusatz und ein Notfall-Werkzeug und ersetzt keine ordentliche Ernährung über die Wurzel.

Der Grund für das Sprühen im Dunkeln liegt ebenfalls in der Biologie: Bei kühleren Bedingungen und ohne direktes Licht sind die Spaltöffnungen weiter geöffnet, die Aufnahme läuft besser, und Wassertropfen können nicht als Brennlinse wirken. Und weil sich Feuchtigkeit und Rückstände zwischen dichten Blüten kaum abtrocknen lassen, ist die Blüte die klare Grenze: Ab hier bleibt die Sprühflasche weg.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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