PPFD & DLI im Growzelt messen: Lichtwerte je Phase

Quantum-Messgerät misst PPFD auf Höhe des Blätterdachs im Growzelt unter LED-Licht

PPFD misst, wie viel nutzbares Licht gerade auf deine Blattspitzen trifft (µmol/m²/s), DLI die daraus summierte Tagesdosis (mol/m²/Tag). Miss auf Höhe des Blätterdachs an neun Punkten und bilde den Durchschnitt: Sämlinge wollen 100–300 PPFD, die Wachstumsphase 400–600, die Blüte 700–900 ohne CO₂. Den DLI rechnest du selbst aus – PPFD × Lichtstunden × 0,0036.

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PPFD und DLI: was du eigentlich misst

PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density) zählt die photosynthetisch wirksamen Photonen, die pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen. Einheit: µmol/m²/s. Das ist ein Momentwert – er sagt dir, wie hell es jetzt gerade genau an dieser Stelle im Zelt ist.

DLI (Daily Light Integral) ist die Lichtmenge, die über den ganzen Tag zusammenkommt, in mol/m²/Tag. Zwei Zelte mit identischem PPFD können völlig unterschiedliche DLI-Werte haben, wenn das eine 18 Stunden und das andere 12 Stunden leuchtet. Für die Pflanze zählt am Ende die Tagesdosis – deshalb ist der DLI der ehrlichere Wert, wenn du Phasen vergleichst.

Wichtig: Lux und Lumen taugen nicht. Sie messen Helligkeit fürs menschliche Auge und gewichten Grün stark, das Rot und tiefe Blau deiner Grow-LED aber kaum. Zwei Lampen mit gleichem Lux-Wert können deutlich unterschiedliche PPFD liefern.

Was du zum Messen brauchst

Es gibt drei Wege, mit sehr unterschiedlicher Genauigkeit und Preisklasse:

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  • Quantum-/PAR-Meter – das genaueste Werkzeug (bekannt sind die Geräte von Apogee). Es misst PPFD direkt und spektral korrekt. Für ein einzelnes Zelt oft zu teuer in der Anschaffung, aber ideal zum Ausleihen oder Teilen in einer Grow-Gruppe.
  • Smartphone-App mit Diffusor – Apps wie Photone nutzen die Frontkamera plus einen aufgesetzten Diffusor. Mit dem passenden Lichtprofil (LED / HPS / Sonne) kommst du erstaunlich nah an ein PAR-Meter heran. Ohne korrekt gewähltes Spektrumprofil sind die Werte aber wertlos – das ist die häufigste Fehlerquelle.
  • Lux-Meter als Notlösung – nur als grobe Orientierung. Für eine weiße Vollspektrum-LED liegt der Umrechnungsfaktor bei rund PPFD ≈ Lux × 0,015 (50.000 Lux entsprechen also etwa 750 PPFD). Der Faktor hängt stark vom Spektrum ab und ist bei rot-/blaulastigen Lampen deutlich daneben – zum Feineinstellen ungeeignet, zum ersten Gefühl brauchbar.

PPFD im Growzelt messen – Schritt für Schritt

  1. Lampe auf volle Leistung und in die Zielhöhe für die aktuelle Phase bringen. Miss immer bei voller Dimmung, nicht auf halber Stufe.
  2. Den Sensor exakt auf Höhe des Blätterdachs (Canopy) legen, dort wo später die obersten Blätter sitzen – nicht auf den Topf, nicht auf den Zeltboden.
  3. Sensor waagerecht halten und darauf achten, dass weder deine Hand noch dein Kopf ihn beschatten. Schon ein Schatten verfälscht den Wert massiv.
  4. Ein gedachtes 3×3-Raster über die Fläche legen und an allen neun Punkten messen – Mitte, Kanten, Ecken.
  5. Aus den neun Werten den Durchschnitt bilden. Notier dir auch die Spreizung zwischen Mitte und Ecke: Die verrät dir, wie gleichmäßig deine Lampe ausleuchtet.
  6. Über den Abstand nachregeln: Lampe höher = niedrigeres PPFD, tiefer = höheres PPFD. In kleinen Schritten von 5 cm arbeiten und neu messen.

DLI aus deinem PPFD-Wert berechnen

Den DLI brauchst du nicht zu messen – du rechnest ihn aus deinem gemittelten PPFD und deiner Beleuchtungsdauer:

DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036

Der Faktor 0,0036 fasst nur die Umrechnung von Sekunden auf Stunden (× 3.600) und von µmol auf mol (÷ 1.000.000) zusammen. Ein paar Beispiele:

SituationRechnungDLI
Sämling, 200 PPFD, 18/6200 × 18 × 0,0036≈ 13 mol/m²/Tag
Wachstum, 500 PPFD, 18/6500 × 18 × 0,0036≈ 32 mol/m²/Tag
Blüte, 800 PPFD, 12/12800 × 12 × 0,0036≈ 35 mol/m²/Tag

Am Beispiel Blüte siehst du auch, warum PPFD allein täuscht: Trotz deutlich höherer Intensität (800 statt 500) liegt der DLI in der Blüte kaum über dem der Wachstumsphase, weil das Licht nur noch 12 statt 18 Stunden läuft.

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Zielwerte je Wachstumsphase

Die folgenden Bereiche gelten für den Indoor-Anbau ohne CO₂-Anreicherung. Sieh sie als Korridor, nicht als starre Vorgabe – jede Genetik reagiert etwas anders.

PhasePPFD (µmol/m²/s)DLI (mol/m²/Tag)
Sämling / Steckling100–300ca. 10–15
Wachstum (vegetativ)400–600ca. 25–40
Blüte700–900ca. 35–50

Junge Pflanzen kippen bei zu viel Licht schnell ins Bleichen oder wachsen gestaucht – lieber am unteren Ende starten. In die Blüte tastest du dich über zwei, drei Wochen an die höheren Werte heran, statt die Pflanze von Tag eins mit 900 PPFD zu bombardieren.

Wenn die Werte nicht stimmen

Häufige Gründe, warum deine Messung nicht zum erwarteten Ergebnis passt:

  • Herstellerangabe blind übernommen. Beim letzten Zelt-Grow bin ich davon ausgegangen, dass meine LED laut Datenblatt auf 40 cm rund 600 PPFD liefert. Mit einem geliehenen Quantum-Meter nachgemessen waren es mittig knapp 700, an den Zelträndern aber nur um die 350. Die Randpflanzen hingen genau deshalb hinterher. Datenblattwerte entstehen unter Laborbedingungen – im echten Zelt gilt nur, was du selbst misst.
  • Falsches App-Profil. Steht die Smartphone-App auf „Sonne“ statt „LED“, stimmt die Größenordnung, aber nicht der Wert. Vor dem Messen immer das Lichtprofil deiner Lampe wählen.
  • Reflexion nicht berücksichtigt. Zeltwände werfen Licht zurück, deshalb misst du an den Rändern manchmal mehr als erwartet – und im offenen Raum ohne Wände deutlich weniger. Miss immer im geschlossenen Zelt.
  • Höhe verrutscht. Pflanzen wachsen, die Lampe bleibt. Was in Woche 2 der Blüte perfekt saß, ist in Woche 5 plötzlich zu nah dran. Nachmessen ist keine einmalige Sache.

Warum mehr Licht irgendwann nichts mehr bringt

Die Photosyntheserate steigt nicht endlos mit dem PPFD. Ohne zusätzliches CO₂ erreicht Cannabis bei etwa 1.000 µmol/m²/s ein Plateau – jedes weitere Photon bringt kaum noch Ertrag, kostet aber Strom und heizt das Zelt auf. Treibst du die Tagesdosis dann noch höher (grob jenseits von rund 65 mol/m²/Tag ohne CO₂), kippt es in Lichthemmung: Die Pflanze bremst sich selbst aus.

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Dazu kommt das Risiko des Photobleaching – ausgebleichte, weiße Top-Buds, wenn die obersten Blüten zu nah und zu intensiv bestrahlt werden. Erst mit CO₂-Anreicherung lassen sich höhere PPFD-Werte (bis rund 1.500 µmol/m²/s) sinnvoll nutzen, und das ist eher ein Thema für kommerzielle Anlagen als fürs Heimzelt. Für den Eigenanbau heißt das: Nicht die maximale Intensität ist das Ziel, sondern der passende Wert für die Phase – gemessen, nicht geschätzt.

Häufige Fragen

Welcher PPFD-Wert ist in der Blüte optimal?

Ohne CO₂-Anreicherung liegen 700–900 µmol/m²/s im Sweet Spot. Ab etwa 1.000 flacht der Ertragszuwachs ab, und die Gefahr von ausgebleichten Top-Buds steigt. Taste dich über zwei bis drei Wochen an die höheren Werte heran.

Kann ich PPFD mit dem Handy messen?

Ja, mit Apps wie Photone und einem aufgesetzten Diffusor kommst du nah an ein PAR-Meter. Entscheidend ist das richtige Lichtprofil (LED statt Sonne). Ohne passendes Spektrumprofil sind die Werte aber unbrauchbar.

Wie berechne ich den DLI?

DLI = PPFD × Lichtstunden × 0,0036. Bei 500 PPFD und 18 Stunden Licht ergibt das rund 32 mol/m²/Tag. Der DLI muss nicht gemessen werden – er folgt direkt aus deinem gemittelten PPFD und der Beleuchtungsdauer.

Reicht ein Lux-Meter zum Messen?

Nur als grobe Orientierung. Für weiße Vollspektrum-LED gilt näherungsweise PPFD ≈ Lux × 0,015. Der Faktor hängt stark vom Spektrum ab und ist bei rot-/blaulastigen Lampen ungenau – zum Feineinstellen taugt er nicht.

An wie vielen Punkten sollte ich messen?

Leg ein gedachtes 3×3-Raster über die Fläche und miss an allen neun Punkten auf Canopy-Höhe. Der Durchschnitt ist dein Arbeitswert, die Spreizung zwischen Mitte und Ecken zeigt, wie gleichmäßig die Lampe ausleuchtet.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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