Das ScrOG-Netz spannst du am Ende der Wachstumsphase – etwa 20 bis 30 cm über dem Topf, sobald deine Pflanze nach dem Topping mehrere kräftige, noch biegsame Seitentriebe gebildet hat. Die Triebe webst du waagerecht durch die Maschen, bis rund zwei Drittel der Fläche gefüllt sind. Erst dann schaltest du auf 12/12 um. So entsteht ein ebenes Blätterdach mit vielen gleich hohen Blütenspitzen statt einer dominanten Mittelcola.
ScrOG steht für Screen of Green – ein horizontales Netz, durch das du die Triebe in der Breite verteilst, statt sie in die Höhe wachsen zu lassen. Gerade im niedrigen Growzelt und beim legalen Eigenanbau mit wenigen Pflanzen ist das die Technik mit dem besten Verhältnis von Ertrag pro Quadratmeter.
Woran du den richtigen Zeitpunkt erkennst
Der Zeitpunkt entscheidet über das ganze Ergebnis. Zu früh eingenetzt, hast du noch zu wenige Triebe, um die Fläche zu füllen. Zu spät, und die Pflanze ist bereits zu hoch und zu steif, um sie sauber in die Waagerechte zu biegen. Reif fürs Netz ist deine Pflanze, wenn diese Punkte zusammenkommen:
- Sie wurde mindestens einmal getoppt (Haupttrieb über dem 4. bis 6. Blattpaar gekappt), sodass sich mehrere gleichwertige Seitentriebe gebildet haben.
- Sie ist rund 30 bis 40 cm hoch und hat 4 bis 8 kräftige Triebe, die sich noch ohne Knacken biegen lassen.
- Du planst den Umstieg auf 12/12 in etwa ein bis zwei Wochen – das Netz kommt also ans Ende der Wachstumsphase, nicht in die Blüte.
Bei meinem ersten ScrOG im Zelt habe ich das Netz zu spät aufgelegt: Der Haupttrieb war schon fast fingerdick und steif, beim Runterbiegen knackte er hörbar an der Basis. Seitdem montiere ich das Netz, solange sich die Triebe noch wie ein junger Zweig biegen lassen – das erspart abgebrochene Triebe und tagelangen Wuchsstopp.
| Phase | Was du mit dem Netz machst |
|---|---|
| Späte Wachstumsphase | Netz 20–30 cm über dem Topf montieren, erste Triebe einweben |
| 1–2 Wochen vor dem Flip | Netz auf etwa 60–70 % Füllung bringen |
| Frühe Blüte (Stretch, Woche 1–3) | Weiterweben bis das Netz voll ist, darunter entlauben |
| Ab Bud-Ansatz | Weben einstellen, Pflanze in Ruhe lassen |
Schritt für Schritt: Netz spannen und einweben
- Netz montieren. Spanne das Netz waagerecht 20 bis 30 cm über der Topfoberkante. Eine Maschenweite von 5 bis 7 cm ist ideal – so passt genau ein Trieb pro Masche, ohne dass es eng wird.
- Vorher toppen. Kappe den Haupttrieb ein bis zwei Wochen vor dem Einnetzen über dem 4. bis 6. Blattpaar. Das bremst die apikale Dominanz und liefert dir mehrere gleich starke Triebe für die Fläche.
- Erste Triebe einlegen. Sobald ein Trieb etwa 5 cm durch das Netz ragt, biege ihn vorsichtig herunter und führe die Spitze in eine benachbarte Masche. Immer nach außen und in die Ecken arbeiten – dorthin, wo noch Lücken sind.
- Regelmäßig weben. Prüfe alle ein bis zwei Tage, welche Spitzen wieder durchgewachsen sind, und stecke sie erneut um. Steife Triebe fixierst du mit weichem Pflanzendraht, statt sie zu zwingen.
- Erst flippen, wenn 60–70 % gefüllt sind. Schalte dann auf 12 Stunden Licht um. Den Rest der Fläche füllt der Streckungsschub von selbst.
- Im Stretch weiterweben. In den ersten zwei bis drei Blütewochen wächst die Pflanze noch deutlich. Lege die neuen Spitzen weiter waagerecht, bis das Netz komplett voll ist.
- Unter dem Netz entlauben. Entferne Blätter und schwache Triebchen, die unterhalb des Netzes liegen („Lollipopping“). Das Licht kommt ohnehin nicht dorthin, und die Energie fließt in die oberen Blüten. Gleichzeitig verbessert sich die Luftzirkulation.
- Weben beenden. Sobald die ersten Buds ansetzen, lass die Pflanze in Ruhe. Jetzt nur noch einzelne Ausreißer sanft auf Netzhöhe halten.
Wenn das Netz sich nicht gleichmäßig füllt
Ein ScrOG geht selten beim ersten Mal perfekt auf. Diese drei Ursachen stecken fast immer dahinter:
- Zu früh geflippt. Wer mit halb leerem Netz auf 12/12 schaltet, behält die Löcher – der Stretch füllt nur etwa ein weiteres Drittel. Beim nächsten Lauf gibst du der Pflanze in der Wachstumsphase ein paar Tage mehr Zeit.
- Zu wenige Triebe. Eine einzelne, ungetoppte Pflanze deckt ein großes Netz nicht ab. Mehr toppen oder zusätzlich mit Low-Stress-Training (LST) die Seitentriebe früh herunterbinden schafft die nötige Verzweigung.
- Untere Etage wird feucht. Ein dichtes Blätterdach staut Luft darunter. Wenn es dort muffig riecht oder Blätter hängen, konsequenter entlauben und einen Umluftventilator unter das Netz richten – sonst drohen Schimmel und Blütenfäule.
Warum ScrOG mehr Ertrag bringt
Unbehandelt schiebt Cannabis vor allem den Haupttrieb nach oben – das nennt sich apikale Dominanz. Die unteren Triebe bleiben im Schatten und liefern nur luftige, kleine Blüten. Das Netz zwingt alle Triebe auf eine Ebene. Dadurch steht jede Spitze im gleichen, optimalen Abstand zur Lampe und bekommt gleich viel Licht.
Aus jedem dieser Triebe wird so eine vollwertige Hauptblüte statt einer Mini-Cola. Gerade im flachen Growzelt nutzt du die Lichtleistung deiner Lampe damit deutlich besser aus. Und für den legalen Eigenanbau in Deutschland – erlaubt sind bis zu drei Pflanzen – ist das der entscheidende Hebel: mehr Ertrag aus wenigen Pflanzen, ohne die zulässige Stückzahl zu überschreiten.
Häufige Fragen
Wann spanne ich das ScrOG-Netz?
Am Ende der Wachstumsphase, sobald die Pflanze nach dem Topping mehrere biegsame Seitentriebe hat – meist ein bis zwei Wochen vor dem Umschalten auf 12/12. Das Netz sitzt dann 20 bis 30 cm über dem Topf.
Wie hoch über dem Topf gehört das Netz?
Rund 20 bis 30 cm über der Topfoberkante. So bleibt genug Platz, um die Triebe von oben in die Maschen zu legen, und das Blätterdach bekommt später eine gleichmäßige Höhe.
Welche Maschenweite sollte das ScrOG-Netz haben?
Maschen von 5 bis 7 cm sind ideal. Dann passt genau ein Trieb pro Quadrat, du kannst sauber weben und die Spitzen verteilen sich gleichmäßig über die Fläche.
Wann schalte ich beim ScrOG auf Blüte um?
Sobald etwa 60 bis 70 Prozent des Netzes gefüllt sind. Den Rest übernimmt der Streckungsschub in den ersten zwei bis drei Blütewochen, in denen du weiter einwebst.
Lohnt sich ScrOG im kleinen Zelt mit nur drei Pflanzen?
Gerade dann. Du holst aus wenigen Pflanzen viele gleich hohe Blütenspitzen und nutzt die Lampe optimal aus – ideal für das legale Drei-Pflanzen-Limit und niedrige Growzelte.




