Cannabis-Lebenszyklus: die 4 Phasen von Samen bis Ernte

Cannabis-Pflanzen in verschiedenen Wachstumsphasen im Growzelt: junger Sämling vorne, blühende Pflanze mit Knospen im Hintergrund

Cannabis durchläuft vier Phasen: Keimung und Sämling (rund 1–3 Wochen), die vegetative Wachstumsphase (3–8 Wochen indoor, 18/6-Licht), die Blüte (6–11 Wochen, ausgelöst durch 12/12-Licht) und die Ernte, sobald die Trichome milchig-trüb sind. Vom Samen bis zur Ernte vergehen je nach Sorte etwa 3 bis 5 Monate.

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Wer den Eigenanbau plant (in Deutschland seit dem CanG bis zu drei Pflanzen erlaubt), tut sich leichter, wenn er die vier Abschnitte versteht, statt jeden Tag neu zu raten. Jede Phase hat andere Ansprüche an Licht, Temperatur und Luftfeuchte – und diese Wechsel entscheiden über einen sauberen Grow. Hier ist der komplette Zyklus mit konkreten Werten.

Die 4 Phasen auf einen Blick

PhaseDauer (Indoor)LichtzyklusWorauf es ankommt
1. Keimung & Sämling1–3 Wochen18/6Wärme, Feuchtigkeit, sanftes Licht
2. Vegetation3–8 Wochen18/6Blatt-, Stängel- und Wurzelaufbau
3. Blüte6–11 Wochen12/12Knospenbildung, niedrigere Luftfeuchte
4. ErnteSchnitt + 2–4 Wochen Trocknen/CuringTrichome milchig-trüb

Die Zeitspannen sind Richtwerte: Sorte, Genetik und dein Setup verschieben sie. Autoflowering-Sorten laufen nach einem eigenen Fahrplan – dazu weiter unten ein eigener Abschnitt.

Phase 1: Keimung und Sämling (1–3 Wochen)

Hier entscheidet sich, ob die Pflanze einen kräftigen Start bekommt. Die Keimung selbst dauert meist 2–7 Tage. Der Samen braucht dafür drei Dinge: Wärme (20–25 °C), gleichmäßige Feuchtigkeit und Dunkelheit. Zuerst bricht die weiße Pfahlwurzel (Taproot) durch die Schale, danach schiebt sich der Keimling nach oben und öffnet die beiden runden Keimblätter (Kotyledonen).

Sobald das erste echte, gezacktes Blattpaar erscheint, beginnt die Sämlingsphase (etwa 2–3 Wochen). Jetzt läuft schon sanftes Licht im 18/6-Rhythmus, also 18 Stunden an, 6 Stunden aus. Die Luftfeuchte darf mit 65–70 % relativ hoch sein, weil das kleine Wurzelsystem noch wenig Wasser über die Wurzeln aufnimmt und viel über die Blätter zieht.

Worauf du in dieser Phase achtest

  • Nicht überwässern: Der kleine Wurzelballen verträgt keine Dauernässe. Substrat antrocknen lassen, dann erst sparsam gießen.
  • Licht nicht zu nah und nicht zu schwach: zu wenig Licht führt zu langen, dünnen, kippeligen Sämlingen (vergeilen).
  • Noch kein starker Dünger: Die Nährstoffe im Keimblatt und in einer leichten Anzuchterde reichen anfangs aus.

Phase 2: Vegetation – die Wachstumsphase (3–8 Wochen)

In der Vegetation baut die Pflanze ihr Gerüst auf: Wurzeln, Stängel und viele Fächerblätter. Sie produziert hier die Energie-Infrastruktur, von der sie später in der Blüte zehrt. Indoor läuft weiter der 18/6-Lichtzyklus, denn solange die Pflanze viele Lichtstunden bekommt, bleibt sie im Wachstum und blüht nicht.

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Richtwerte indoor: 20–28 °C, relative Luftfeuchte 40–60 %, ein stickstoffbetonter Dünger. Outdoor zieht sich diese Phase über die Sommermonate hin und dauert deutlich länger (8–16 Wochen), weil die Tageslänge die Blüte erst spät auslöst.

Etwa ab Woche 6 lässt sich bei photoperiodischen Sorten oft schon das Geschlecht erkennen. Männliche Pflanzen bilden kleine kugelige Pollensäcke, weibliche zarte weiße Härchen (Stempel) an den Blattachseln. Für Blüten willst du nur die weiblichen Pflanzen – männliche raus, bevor sie Pollen abgeben.

Die Vegetation ist außerdem das Zeitfenster für Trainingsmethoden wie Topping (Kappen der Spitze) oder LST (vorsichtiges Herunterbinden der Triebe). Damit verteilst du das spätere Blütengewicht auf mehrere gleich hohe Triebe statt auf eine dominante Hauptspitze.

Phase 3: Blüte – jetzt entstehen die Knospen (6–11 Wochen)

Indoor löst du die Blüte gezielt aus, indem du auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umschaltest (12/12). Die Pflanze interpretiert die langen Nächte als nahenden Herbst und stellt von Wachstum auf Fortpflanzung um. Outdoor passiert das von selbst, wenn die Tage nach der Sonnenwende kürzer werden.

In den ersten 2–3 Wochen nach dem Umschalten kommt der sogenannte Stretch: Die Pflanze schießt nochmal in die Höhe und kann sich nahezu verdoppeln, bevor sie die Energie voll in die Knospen steckt. Beim ersten eigenen Zelt-Grow hatte ich das unterschätzt und den Abstand zur Lampe zu knapp geplant – seitdem rechne ich den Stretch von Anfang an in die Höhenplanung ein.

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Klima jetzt anpassen: Luftfeuchte runter auf 40–50 %, um Schimmel und Blütenfäule (Budrot) vorzubeugen, Temperatur 18–26 °C, und beim Dünger den Schwerpunkt von Stickstoff zu Phosphor und Kalium verschieben. Über die Wochen schwellen die Knospen an, die Stempel verfärben sich von weiß zu orange-braun, und die Pflanze bildet immer mehr Harzdrüsen (Trichome).

Phase 4: Ernte – Reife an den Trichomen ablesen (und was danach kommt)

Der beste Erntezeitpunkt steht nicht im Kalender, sondern an den Trichomen – den winzigen, pilzförmigen Harzköpfchen auf Blüten und kleinen Blättern. Mit einer Lupe oder einem Taschenmikroskop liest du die Reife ab:

  • Glasklar: noch nicht reif, zu früh – die Wirkstoffe sind noch nicht voll ausgebildet.
  • Milchig-trüb: der Höhepunkt; die meisten Grower ernten, wenn der Großteil milchig ist.
  • Bernsteinfarben: die Wirkstoffe bauen sich um. Ein Anteil von etwa 5–10 % Bernstein gilt als rundes Erntefenster.

Nach dem Schnitt ist der Zyklus noch nicht zu Ende: Es folgt das langsame Trocknen über etwa 7–14 Tage bei rund 18–20 °C und 50–60 % Luftfeuchte im Dunkeln, danach das Curing (Reifen) in luftdichten Gläsern, die anfangs täglich kurz geöffnet werden. Erst dieser letzte Schritt entwickelt Aroma und macht das Ergebnis weich im Rauch oder Vapor.

Autoflower vs. photoperiodische Sorten

Der oben beschriebene Fahrplan gilt für photoperiodische Sorten, die über die Lichtstunden gesteuert werden. Autoflowering-Sorten ticken anders: Sie wechseln nach einer kurzen Vegetation von etwa 3–4 Wochen automatisch in die Blüte – unabhängig vom Lichtzyklus. Du musst also nicht auf 12/12 umstellen; viele Grower lassen Autos durchgehend bei 18/6 oder sogar 20/4 laufen.

Der Vorteil: Der gesamte Zyklus ist mit etwa 8–12 Wochen vom Samen bis zur Ernte deutlich kürzer und planbarer. Der Nachteil: Das kurze Veg-Fenster lässt wenig Spielraum für umfangreiches Training, und ein Stillstand durch Stress kostet direkt Ertrag, weil die Pflanze ihn nicht mehr nachholt.

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Woran erkenne ich den Phasenwechsel?

Die Übergänge sind keine festen Tage, sondern Beobachtungen:

  • Sämling → Vegetation: Die Pflanze bildet mehrere Etagen echter, gezackter Blätter und legt sichtbar an Tempo zu.
  • Vegetation → Blüte: Nach dem Umschalten auf 12/12 (bzw. kürzeren Tagen outdoor) erscheinen erste weiße Stempel an den Triebspitzen.
  • Blüte → Ernte: Die meisten Stempel sind verfärbt und eingerollt, die Trichome überwiegend milchig – das ist dein Signal zur Lupenkontrolle.

Hintergrund: Warum löst Dunkelheit die Blüte aus?

Cannabis ist (in seiner photoperiodischen Form) eine Kurztagpflanze. Über ein lichtempfindliches Pigment, das Phytochrom, misst die Pflanze die Länge der ununterbrochenen Dunkelphase. Werden die Nächte lang genug (ungefähr 12 Stunden), wertet sie das als Signal des nahenden Herbstes und schaltet von Wachstum auf Blütenbildung um. Deshalb ist die durchgehende Dunkelheit in der Blüte so wichtig: Schon kurze Lichtunterbrechungen mitten in der Nacht können die Pflanze verwirren und die Blüte stören.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Cannabis-Lebenszyklus von Samen bis Ernte?

Bei photoperiodischen Sorten dauert er je nach Genetik und Setup etwa 3 bis 5 Monate. Autoflowering-Sorten sind mit rund 8 bis 12 Wochen vom Samen bis zur Ernte deutlich schneller.

Was ist der Unterschied zwischen Vegetation und Blüte?

In der Vegetation baut die Pflanze unter 18/6-Licht Blätter, Stängel und Wurzeln auf. In der Blüte (ausgelöst durch 12/12-Licht) stellt sie das Größenwachstum weitgehend ein und bildet Knospen mit Harz.

Wann beginnt bei Cannabis die Blütephase?

Indoor startet die Blüte, sobald du auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit umschaltest. Outdoor beginnt sie von selbst, wenn die Tage nach dem Hochsommer kürzer werden.

Wie erkenne ich, dass meine Cannabispflanze erntereif ist?

Am sichersten an den Trichomen: Sind sie überwiegend milchig-trüb und etwa 5 bis 10 Prozent bernsteinfarben, ist ein gutes Erntefenster erreicht. Eine Lupe oder ein Taschenmikroskop hilft beim Ablesen.

Haben Autoflowering-Sorten dieselben Phasen?

Im Prinzip ja, aber sie wechseln nach etwa 3 bis 4 Wochen Vegetation automatisch in die Blüte – unabhängig vom Lichtzyklus. Ein Umschalten auf 12/12 ist bei Autos nicht nötig.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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