Das ideale VPD (Dampfdruckdefizit) steigt über den Grow von 0,4–0,8 kPa beim Sämling auf 1,4–1,6 kPa in der späten Blüte – die relative Luftfeuchte sinkt im gleichen Zug von rund 70 % auf 40–50 %. Entscheidend ist: Stell die Werte nach der Blatttemperatur ein, nicht nach der Raumluft. Unter LED liegt das Blatt meist etwa 2 °C kühler. Die komplette Tabelle pro Phase steht direkt darunter.
VPD-Tabelle für Cannabis: Zielwerte nach Phase
Die Werte sind Richtkorridore aus der Praxis, kein starres Gesetz – deine Sorte, das Substrat und der Lichtabstand verschieben den Sweet Spot leicht. VPD bezieht sich hier auf die Blatttemperatur (Lufttemperatur minus rund 2 °C unter LED).
| Phase | Temperatur (Tag) | Rel. Luftfeuchte | VPD (kPa) |
|---|---|---|---|
| Sämling / Steckling | 22–26 °C | 65–75 % | 0,4–0,8 |
| Frühe Vegetation | 22–26 °C | 60–70 % | 0,8–1,1 |
| Späte Vegetation | 24–28 °C | 55–60 % | 1,0–1,3 |
| Frühe Blüte | 22–26 °C | 50–55 % | 1,2–1,4 |
| Späte Blüte | 20–25 °C | 40–50 % | 1,4–1,6 |
| Letzte 1–2 Wochen | 18–22 °C | 35–45 % | 1,5–1,8 |
Das Muster dahinter ist einfach zu merken: Je weiter die Pflanze ist, desto mehr darf die Luft „ziehen“. Junge Wurzeln sind schwach, also hältst du die Luft feucht und den VPD niedrig. In der Blüte willst du das Gegenteil – trockenere Luft schiebt die Transpiration an und hält die dichten Buds schimmelfrei.
Brauche ich VPD – oder reicht mir die Luftfeuchtigkeit?
Wenn dein Hygrometer auf Pflanzenhöhe steht und du Temperatur plus Feuchte sauber in den Phasen-Korridoren hältst, machst du das Wichtigste schon richtig. VPD ist der nächste Schritt, weil er beide Werte zu einer Zahl zusammenfasst: Es geht nicht um die Feuchte allein, sondern darum, wie stark die Luft der Pflanze Wasser entzieht.
Der VPD-Blick lohnt sich besonders, wenn deine Werte einzeln „passen“, die Pflanze aber trotzdem zickt: nach oben gerollte Blattränder, hängende Blätter trotz feuchtem Substrat, schleppendes Wachstum oder Ca-/Mg-Mangel-Symptome, obwohl die Düngung stimmt. Das sind typische Hinweise auf einen VPD außerhalb des Korridors – die Feuchte-Zahl allein verrät das nicht.
VPD im Growzelt einstellen: Schritt für Schritt
- Hygrometer auf Canopy-Höhe platzieren. Miss dort, wo die Blütenspitzen sind, nicht am Zeltboden – dort weicht die Feuchte oft um 5–10 % ab.
- Blatttemperatur bestimmen. Ein günstiges Infrarot-Thermometer auf ein großes Fan-Leaf halten. Hast du keins: rechne Lufttemperatur minus 2 °C unter LED.
- VPD ablesen. Blatttemperatur und Feuchte in einen kostenlosen VPD-Rechner oder eine VPD-Tabelle eintragen und mit dem Phasen-Zielwert oben vergleichen.
- Zu hoher VPD (Luft zu trocken). Abluft drosseln, einen Luftbefeuchter dazustellen, Sämlinge ggf. unter eine Haube. Feuchte in kleinen Schritten von 5 % anheben.
- Zu niedriger VPD (Luft zu feucht). Abluft erhöhen, Entfeuchter einsetzen, weniger gießen und in der Blüte gezielt entlauben, damit Luft durch den Bestand zieht.
- Nachtabsenkung berücksichtigen. Bei Licht-aus fällt die Temperatur 4–6 °C, die relative Feuchte steigt dadurch – prüfe den VPD auch in der Dunkelphase, sonst landest du nachts im Schimmelbereich.
- Eine Woche beobachten. Ändere nur einen Faktor zur Zeit und gib der Pflanze 5–7 Tage, bevor du nachjustierst.
Wenn die Werte trotzdem nicht stimmen
Drei Ursachen stecken fast immer dahinter, wenn der VPD auf dem Papier passt und die Pflanze trotzdem leidet:
- Du misst Raumluft statt Blatt. Genau das hat mich beim Umstieg auf VPD länger aufgehalten, als ich zugeben will: Mein Zeltklima sah mit 26 °C und 55 % perfekt aus, aber als ich endlich ein IR-Thermometer auf die Blätter hielt, waren die nur 24 °C – mein realer VPD lag spürbar höher als gedacht. Erst mit der Blatttemperatur als Basis passten Korridor und Pflanzenbild zusammen.
- Hotspots unter der LED. Direkt unter der Lampe kann es 3–4 °C wärmer sein als am Zeltrand. Ein Messpunkt repräsentiert dann nicht das ganze Canopy – lieber an zwei, drei Stellen gegenmessen.
- Schwankung statt Schnitt. Ein guter Tagesdurchschnitt nützt wenig, wenn die Feuchte nachts auf 70 % springt. Stabilität über 24 Stunden schlägt einen perfekten Momentwert.
Hintergrund: Warum VPD und nicht nur Luftfeuchtigkeit?
Cannabis „atmet“ und schwitzt über winzige Spaltöffnungen auf den Blattunterseiten, die Stomata. Über diese Transpiration zieht die Pflanze Wasser und gelöste Nährstoffe aus dem Substrat nach oben – der VPD ist quasi die Saugkraft, die diesen Strom antreibt.
Ist der VPD zu niedrig (Luft zu feucht), kann die Pflanze kaum Wasser abgeben. Die Stomata bleiben halb geschlossen, Photosynthese und Nährstofftransport bremsen, und die nasse Luft begünstigt Schimmel und Mehltau. Ist der VPD zu hoch (Luft zu trocken), verliert das Blatt schneller Wasser, als die Wurzel nachliefern kann – die Stomata klappen zu, das Wachstum stockt, und die Ränder rollen sich nach oben („taco-ing“). Der Korridor in der Tabelle ist genau der Bereich, in dem die Stomata weit offen bleiben, ohne dass die Pflanze in Trockenstress gerät – und damit der Hebel für kräftiges Wachstum und saubere Blüten.
Häufige Fragen
Was ist ein guter VPD-Wert für Cannabis?
Der ideale VPD steigt mit der Phase: 0,4–0,8 kPa beim Sämling, 0,8–1,3 kPa in der Vegetation und 1,2–1,6 kPa in der Blüte. Er wird auf Basis der Blatttemperatur berechnet, nicht der Raumluft.
Welche Luftfeuchtigkeit braucht Cannabis in der Blüte?
In der frühen Blüte 50–55 %, in der späten Blüte 40–50 % und in den letzten ein bis zwei Wochen 35–45 %. Die trockenere Luft schiebt die Transpiration an und beugt Schimmel in den dichten Buds vor.
Reicht ein Hygrometer oder muss ich VPD messen?
Zum Start reicht ein Hygrometer auf Pflanzenhöhe. Für den exakten VPD brauchst du zusätzlich die Blatttemperatur – am genauesten mit einem Infrarot-Thermometer, näherungsweise Lufttemperatur minus rund 2 °C unter LED.
Was passiert bei zu hohem VPD?
Bei zu hohem VPD ist die Luft zu trocken: Das Blatt verliert schneller Wasser als die Wurzel nachliefert, die Stomata schließen, das Wachstum stockt und die Blattränder rollen sich nach oben.
Wie senke ich die Luftfeuchtigkeit im Growzelt?
Erhöhe die Abluft, setze einen Entfeuchter ein, gieß sparsamer und entlaube in der Blüte gezielt, damit Luft durch den Bestand zieht. Prüfe die Feuchte auch nachts, wenn sie durch die kühlere Luft ansteigt.




