SCROG-Netz spannen: Schritt für Schritt zum ebenen Buddach

Cannabis-Pflanzen im Growzelt waagerecht unter einem straff gespannten SCROG-Netz mit gleichmäßigem Buddach

Spann das SCROG-Netz mit etwa 5×5 cm Maschen rund 20–30 cm über den Töpfen, sobald die Pflanzen in die späte Wachstumsphase kommen. Fädle jeden neuen Trieb waagerecht durch die Maschen, bis das Netz zu rund 75 % gefüllt ist – dann schaltest du auf 12/12. So fällt das Licht gleichmäßig aufs ganze Dach, und aus wenigen Pflanzen wird eine ebene Fläche gleich großer Hauptbuds statt einer dominanten Mittel-Cola.

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Wann SCROG die richtige Methode ist

SCROG (Screen of Green) lohnt sich vor allem im Growzelt, wo die Höhe begrenzt ist und du mit wenigen Pflanzen arbeitest – nach dem deutschen Eigenanbau-Rahmen ohnehin maximal drei. Statt die Pflanzen in die Höhe schießen zu lassen, biegst du sie waagerecht in ein horizontales Netz (den „Screen“) und verteilst alle Triebspitzen auf einer Ebene.

Verwechsle das nicht mit SOG (Sea of Green): Bei SOG stellst du viele kleine Pflanzen dicht an dicht und erntest nach kurzer Wachstumsphase eine einzige Hauptblüte je Pflanze – ganz ohne Netz. SCROG geht den umgekehrten Weg: wenige Pflanzen, längere Wachstumsphase, dafür ein durchtrainiertes Dach mit vielen gleich starken Spitzen.

Bevor du startest, solltest du mit Low-Stress-Training (LST, sanftes Herunterbinden der Triebe) vertraut sein. Wer zusätzlich getoppt hat (die Haupttriebspitze über dem fünften Blattknoten abgeschnitten, damit sich mehrere gleichwertige Haupttriebe bilden), füllt das Netz schneller und gleichmäßiger. SCROG funktioniert am besten mit photoperiodischen Sorten – bei schnellen Autoflowers bleibt oft zu wenig Zeit, das Netz vor der automatisch einsetzenden Blüte zu füllen.

Material und Aufbau des Netzes

Du brauchst kein teures Spezialzubehör. Bewährt haben sich:

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  • Netz mit etwa 5×5 cm Maschen – groß genug, um Triebe bequem durchzufädeln, klein genug, um sie zu stützen. Fertige Grow-Netze gibt es passend für gängige Zeltmaße (60er, 80er, 100er).
  • Befestigung an den vier Zeltstangen über Karabiner, Kabelbinder oder Schnur, sodass das Netz waagerecht und straff sitzt. Ein durchhängendes Netz macht das Dach uneben.
  • Höhe: 20–30 cm über den Töpfen (bei sehr streckenden Sorten bis 50 cm). Faustregel: knapp über der Höhe, auf die du die Pflanzen vor dem Flip trainierst.

Improvisieren geht auch mit Garten- oder Rankgitter und Kabelbindern – Hauptsache, das Netz ist straff und stabil, weil es später das volle Gewicht der Blüten trägt.

Schritt für Schritt: Netz spannen und befüllen

  1. Pflanzen vorbereiten. Lass die Pflanzen so weit wachsen, dass sie etwa die Hälfte der geplanten Netzhöhe erreichen. Wer toppen will, tut das jetzt – über dem fünften Knoten, damit mehrere gleich starke Haupttriebe entstehen.
  2. Netz montieren. Spann das Netz 20–30 cm über den Töpfen straff zwischen den Zeltstangen. Prüfe mit der flachen Hand, ob es überall gleich hoch und ohne Durchhang sitzt.
  3. Erste Triebe einfädeln. Sobald die Spitzen durch die Maschen wachsen, biegst du sie vorsichtig wieder unter das Netz und führst sie in die nächste freie Masche („Tucking“). Ziel ist, die Triebe waagerecht nach außen zu verteilen, statt sie nach oben durchwachsen zu lassen.
  4. Regelmäßig weiterfädeln. Kontrolliere alle ein bis zwei Tage und fädle neue Spitzen nach außen. So füllt sich das Netz von der Mitte zum Rand und das Dach bleibt eben. Arbeite immer behutsam – die Triebe sind im Wachstum biegsam, aber nicht bruchsicher.
  5. Bei ~75 % Füllung auf Blüte umschalten. Ist das Netz zu etwa drei Vierteln mit Trieben belegt, stell die Beleuchtung auf 12 Stunden Licht / 12 Stunden Dunkelheit. Den Rest füllt die Blütestreckung in den ersten zwei bis drei Wochen.
  6. In der frühen Blüte weiter tucken. Fädle während der Streckung weiter, bis das Netz voll ist – meist bis etwa eine Woche vor Ende der Streckung. Danach stoppst du, weil die Triebe verholzen und leicht abbrechen.
  7. Unter dem Netz aufräumen. Entferne kurz vor und nach dem Flip alles, was nicht durchs Netz reicht: dünne Untertriebe und große Blätter, die tieferliegende Knospenansätze beschatten („Lollipopping“). So steckt die Pflanze ihre Kraft in die Spitzen oben am Dach.

Wann auf Blüte umschalten? Timing nach Sortentyp

Der richtige Flip-Zeitpunkt hängt davon ab, wie stark deine Sorte in der Blüte streckt:

SortentypNetz-Füllung beim FlipGrund
Stark streckende Sativa~50 %Die kräftige Blütestreckung füllt den Rest von selbst
Typischer Hybrid~75 %Moderate Streckung, guter Standardwert
Indica-dominantfast vollWenig Streckung, sonst bleibt das Netz lückenhaft

Wenn du deine Sorte noch nicht kennst, ist 75 % ein sicherer Startwert. Notier dir das Flip-Datum – dann weißt du beim nächsten Grow genau, wie stark diese Genetik nachgestreckt hat.

Wenn das Dach uneben bleibt

Beim letzten Zelt-Grow hatte ich das Netz mit gut 40 cm zu hoch gespannt. Die mittleren Triebe schossen sauber durch, aber die äußeren erreichten das Netz kaum – am Ende stand wieder eine dominante Mittel-Cola über einem zerklüfteten Dach, genau das, was SCROG verhindern soll. Seitdem spanne ich das Netz tiefer und binde die Randtriebe vor dem Flip per LST aktiv zur Seite. Drei häufige Ursachen für ein ungleichmäßiges Ergebnis:

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  • Netz zu hoch: Äußere Triebe kommen nicht hoch genug. Lösung: Netz auf 20–30 cm setzen und Randtriebe zusätzlich herunterbinden.
  • Zu spät geflippt: War das Netz schon voll, drückt die Streckung alles übereinander. Lösung: lieber bei 75 % schalten und nachfädeln.
  • Zu wenig getuckt: Wer nur alle paar Tage schaut, lässt Spitzen durchwachsen. Lösung: in der Füllphase täglich kurz kontrollieren.

Warum SCROG gleichmäßigere Buds bringt

Zwei Pflanzen-Prinzipien stecken dahinter. Erstens die apikale Dominanz: Unbehandelt schickt Cannabis die meiste Energie in die oberste Triebspitze, die anderen bleiben kleiner. Indem du die Triebe waagerecht ins Netz biegst, hebst du diese Dominanz auf – plötzlich liegen viele Spitzen auf gleicher Höhe und werden alle zu Hauptbuds.

Zweitens die Lichtverteilung: Lichtintensität nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Eine tiefer hängende, beschattete Knospe bekommt dadurch viel weniger Licht als eine an der Spitze. Ein ebenes Dach hält alle Bud-Ansätze im optimalen Abstand zur Lampe – jede Spitze bekommt fast gleich viel Licht, was Größe und Harzbildung fördert. Genau deshalb liefert ein gut gefülltes SCROG-Netz aus wenigen Pflanzen oft mehr verwertbare Topbuds als dieselben Pflanzen ohne Training.

Häufige Fragen

Wie hoch über den Töpfen sollte das SCROG-Netz hängen?

In der Regel 20–30 cm über den Töpfen, bei stark streckenden Sativas bis 50 cm. Faustregel: knapp über der Höhe, auf die du die Pflanzen vor dem Flip trainierst, damit die Triebe das Netz gut erreichen.

Wann schalte ich beim SCROG auf Blüte um?

Wenn das Netz zu etwa 75 % mit Trieben gefüllt ist. Stark streckende Sativas flippst du früher (rund 50 %), indica-dominante Sorten erst, wenn das Netz fast voll ist – die Blütestreckung füllt den Rest.

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Welche Maschenweite braucht ein SCROG-Netz?

Etwa 5×5 cm sind ideal: groß genug, um Triebe bequem durchzufädeln, und klein genug, um sie waagerecht zu stützen und das Buddach in Form zu halten.

Wie lange muss ich die Triebe ins Netz fädeln?

Bis etwa eine Woche vor dem Ende der Blütestreckung, meist also in den ersten zwei bis drei Wochen der Blüte. Danach stoppst du, weil die Triebe verholzen und leicht abbrechen.

Lohnt sich SCROG auch für Autoflower-Sorten?

Nur eingeschränkt. Autoflowers blühen zeitgesteuert und lassen oft zu wenig Zeit, das Netz vor Blütebeginn zu füllen. SCROG entfaltet sein Potenzial am besten mit photoperiodischen Sorten.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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