Cannabis-Blüte Woche für Woche: der komplette Verlauf

Blühende Cannabispflanze im Indoor-Growzelt mit dichten Buds, weißen und orangefarbenen Blütenhaaren und harzigen Trichomen

Die Blütephase dauert bei den meisten Indoor-Sorten 7 bis 9 Wochen und läuft in drei Abschnitten ab: Woche 1–3 streckt sich die Pflanze und bildet die ersten weißen Blütenhaare, Woche 4–6 setzen die Knospen an und werden dichter, Woche 7–9 reifen sie aus. Geerntet wird nicht nach Kalender, sondern wenn die Trichome milchig mit etwas Bernstein sind.

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Ausgelöst wird das Ganze bei photoperiodischen Pflanzen durch die Umstellung auf einen 12/12-Lichtzyklus (12 Stunden Licht, 12 Stunden ununterbrochene Dunkelheit). Autoflower-Sorten blühen unabhängig vom Licht von allein. Welche Woche gerade läuft, zählst du ab dem Tag dieser Umstellung – dem sogenannten Flip.

Der Blüte-Fahrplan auf einen Blick

Die genaue Dauer hängt von der Genetik ab: Indica-lastige Sorten sind oft nach 7–8 Wochen fertig, reine Sativas können 10–12 Wochen brauchen. Die folgende Tabelle ist ein Richtwert für eine typische 8-Wochen-Sorte indoor.

Woche (ab Flip)PhaseWas passiertDein Fokus
1–2Vorblüte / StreckungPflanze wächst stark in die Höhe, erste weiße Pistillen an den TriebspitzenAbstand zur Lampe, Höhe einplanen
3ÜbergangStreckung läuft aus, erste kleine BlütenansätzeAuf Blütedünger umstellen
4–5KnospenansatzBuds bilden sich an allen Trieben, Geruch wird intensiv, erste TrichomePK-Versorgung, Luftfeuchte senken
6DickwerdenKnospen werden voll und schwer, viele TrichomeZweige stützen, Klima stabil halten
7–8ReifePistillen färben sich orange/braun, Trichome werden milchigTrichome prüfen, ggf. spülen
8+ErnteTrichome milchig mit etwas Bernstein, Kelche geschwollenErntefenster bestimmen

Woche 1–3: Streckung und erste Blütenhaare

Nach der Umstellung auf 12/12 passiert die erste Zeit oberirdisch noch viel Wachstum statt Blüte. Diese Phase heißt Streckung (englisch: Stretch): Die Pflanze legt in 2–3 Wochen oft 50 bis 100 Prozent an Höhe zu, manche Sativas verdoppeln sich fast. Plane diesen Zuwachs vorher ein – sonst wachsen die Spitzen zu nah an die Lampe.

Um Tag 10 bis 14 erscheinen die ersten weißen Pistillen (die feinen Härchen) an den Triebspitzen und Internodien. Das ist das Signal, dass die Pflanze von Wachstum auf Blüte umschaltet. Ab Woche 3 läuft die Streckung aus, und an den Spitzen bilden sich die ersten kleinen Blütenansätze. Spätestens jetzt stellst du von Wachstums- auf Blütedünger um, der weniger Stickstoff und mehr Phosphor und Kalium (PK) liefert.

Woche 3–5: Die Knospen setzen an

Jetzt steckt die Pflanze ihre Energie in die Blüten statt in neue Triebe. Die anfangs lockeren Ansätze füllen sich, an den Haupttrieben (Colas) bilden sich erkennbare Buds. Die Pflanze produziert vermehrt Trichome – die harzigen, kristallartigen Drüsen, in denen die Cannabinoide und Terpene sitzen. Mit ihnen wird auch der Geruch deutlich kräftiger.

Das ist der richtige Zeitpunkt, die Luftfeuchtigkeit Schritt für Schritt nach unten zu fahren und die PK-Versorgung im Blick zu behalten. Einige Pistillen können sich bereits anfangen einzurollen oder leicht zu verfärben – das ist normal und noch kein Erntezeichen.

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Woche 5–7: Buds werden dick und schwer

In der mittleren bis späten Blüte legen die Knospen an Masse zu. Sie werden voll, dicht und so schwer, dass dünne Zweige unter dem Gewicht abknicken können – Stützen oder ein Netz (ScrOG) helfen. Die Trichomdichte nimmt weiter zu, die Buds wirken zunehmend „bereift“.

Ab etwa Woche 6 fährst du die Stickstoffgabe weiter zurück. Beginnt das untere Laub von selbst zu vergilben, ist das in der Spätblüte normal: Die Pflanze zieht Nährstoffe aus den alten Blättern in die Knospen. Vergilbendes Laub kannst du entfernen, damit die Luft besser zirkuliert.

Woche 7–9: Reife und Ernte

In der Endphase verfärben sich immer mehr Pistillen von Weiß zu Orange, Braun oder Rot und ziehen sich zurück. Die Kelche (Calyxe) schwellen an. Viele Grower spülen die letzten 1 bis 2 Wochen mit reinem, pH-eingestelltem Wasser ohne Dünger, um eingelagerte Nährsalze auszuwaschen – im Erdanbau verbreitete Praxis, in Coco/Hydro kürzer oder gar nicht nötig.

Der eigentliche Erntezeitpunkt entscheidet sich aber nicht an den Härchen, sondern an den Trichomen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Erntezeitpunkt an den Trichomen ablesen

Die Pistillenfarbe ist nur ein grober Hinweis. Verlässlich ist der Blick auf die Trichome mit einer Lupe oder einem Taschenmikroskop (30–60-fach). Drei Stadien:

  • Glasklar: noch unreif, der Wirkstoffgehalt ist noch nicht am Maximum – zu früh.
  • Milchig/trüb: der Höhepunkt des THC-Gehalts, eher klare, „kopfige“ Wirkung.
  • Bernsteinfarben: der Wirkstoff baut sich um, körperlich-schwerere Wirkung.

Die meisten ernten, wenn rund 70–80 Prozent der Trichome milchig und 10–30 Prozent bernsteinfarben sind, kombiniert mit geschwollenen Kelchen und überwiegend zurückgezogenen, dunklen Pistillen. Wer es klarer und anregender mag, erntet früher; wer es schwerer mag, lässt mehr Bernstein zu.

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Klima und Nährstoffe Woche für Woche

Das Klima verschiebt sich über die Blüte hinweg klar in eine Richtung: trockener, mit etwas Abstand zwischen Tag- und Nachttemperatur. Richtwerte indoor:

PhaseLuftfeuchteTemperatur (Licht an)Nährstoff-Fokus
Woche 1–3ca. 55–65 %22–26 °CÜbergang zu Blütedünger, N runter
Woche 4–6ca. 45–55 %20–26 °CPK-Schwerpunkt (Phosphor/Kalium)
Woche 7–9ca. 40–45 %20–24 °CDüngung zurückfahren, ggf. spülen

Die niedrige Luftfeuchte in der Spätblüte ist kein Schönheitsthema, sondern der wichtigste Schutz gegen Knospenfäule (Budrot): In den dichten, reifen Buds wird es bei hoher Feuchte schnell zu nass. Ein pH-Wert von etwa 6,0–6,5 in Erde bzw. 5,8–6,2 in Coco/Hydro hält die Nährstoffaufnahme stabil.

Wenn es nicht nach Plan läuft

Die Wochenangaben sind Richtwerte, kein Gesetz. Drei Dinge, die den Verlauf verschieben:

  • Die Buds bleiben luftig statt dicht: Häufig zu wenig Licht am Blattdach, zu wenig PK oder Hitzestress. Erst Lichtintensität und Temperatur prüfen, dann an der Düngung drehen.
  • Die Blüte zieht sich viel länger als angegeben: Sativa-Genetik braucht schlicht länger (10–12 Wochen). Auch dauerhaft zu kühle Temperaturen bremsen die Reife.
  • Trotz „fertiger“ orangener Härchen sind die Trichome noch klar: Pistillenfarbe allein täuscht – immer die Trichome unter der Lupe entscheiden lassen.

Ein eigener Stolperstein aus dem Zelt: Als der Geruch in Woche 4–5 zum ersten Mal richtig durchschlug, war mein Aktivkohlefilter zu klein dimensioniert für das Luftvolumen – die ganze Wohnung roch mit. Der Geruchs-Peak fällt mit dem Knospenansatz zusammen, deshalb gehört die Geruchskontrolle (ausreichend dimensionierter Filter, Abluft passend zum Zeltvolumen) eingeplant, bevor die Blüte richtig losgeht, nicht erst wenn es schon riecht.

Warum reagiert die Pflanze überhaupt auf 12/12?

Cannabis ist (in den klassischen, photoperiodischen Sorten) eine Kurztagpflanze. Sie misst nicht die Licht-, sondern die ununterbrochene Dunkelphase über das Pigment Phytochrom. Werden die Nächte lang genug – indoor künstlich durch 12 Stunden Dunkelheit – interpretiert die Pflanze das als nahenden Herbst und schaltet von Wachstum auf Fortpflanzung, also Blüte, um.

Deshalb ist eine wirklich lichtdichte Dunkelphase so wichtig: Lichtlecks im Zelt während der 12 Stunden Nacht können die Blüte stören oder im schlimmsten Fall Zwitterbildung (Hermaphroditen) auslösen. Autoflower-Sorten umgehen diesen Mechanismus durch eingekreuzte Ruderalis-Genetik und blühen altersabhängig von selbst.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert die Blütephase bei Cannabis?

Bei den meisten Indoor-Sorten 7 bis 9 Wochen ab der Umstellung auf 12/12. Indica-lastige Sorten sind oft nach 7–8 Wochen fertig, reine Sativas können 10–12 Wochen brauchen. Entscheidend ist am Ende nicht der Kalender, sondern die Reife der Trichome.

Wann beginnt die Blüte nach der Umstellung auf 12/12?

Die ersten weißen Pistillen erscheinen meist um Tag 10 bis 14 nach dem Flip. Davor steckt die Pflanze in der Streckung und wächst noch stark in die Höhe. Erkennbare Knospen bilden sich ab etwa Woche 3.

Woran erkenne ich den richtigen Erntezeitpunkt?

Am verlässlichsten an den Trichomen unter einer Lupe (30–60-fach): Die meisten ernten, wenn rund 70–80 % milchig-trüb und 10–30 % bernsteinfarben sind. Die Farbe der Blütenhaare allein ist nur ein grober Hinweis.

Wie hoch sollte die Luftfeuchte in der Blüte sein?

Sie wird über die Blüte hinweg gesenkt: von etwa 55–65 % in der Vorblüte auf 40–45 % in der Spätblüte. Die trockene Spätblüte ist der wichtigste Schutz gegen Knospenfäule in den dichten, reifen Buds.

Muss ich vor der Ernte spülen?

Im Erdanbau ist das Spülen mit reinem, pH-eingestelltem Wasser in den letzten 1–2 Wochen verbreitete Praxis, um Nährsalze auszuwaschen. In Coco oder Hydro fällt es kürzer aus oder entfällt. Ein Muss ist es nicht, viele Grower schätzen aber das Aroma danach.

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Marcel Meyer
# wer schreibt hier

Marcel Meyer

Zieht seine Pflanzen selbst — indoor im Growzelt, seit der Eigenanbau in Deutschland legal ist. Hier gibt es praxiserprobtes Grow-Wissen: was wirklich funktioniert und welche Fehler du dir sparen kannst. Ehrlich aus dem Zelt, ohne Mythen.

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