Überdüngung erkennst du am sichersten an verbrannten, gelb-braunen Blattspitzen, die sich nach unten einkrallen, oft kombiniert mit sattem, fast bläulichem Dunkelgrün und glänzenden Blättern. Ursache ist eine zu hohe Salzkonzentration im Substrat (Nährstoffbrand). Sofortmaßnahme: Düngen stoppen, das Medium mit reichlich pH-eingestelltem Wasser spülen und beim nächsten Gießen die Dünger-Dosis halbieren.
Woran du Überdüngung sicher erkennst
Der Nährstoffbrand fängt fast immer an den Spitzen der größten, ältesten Blätter an, weil dort am meisten Wasser verdunstet und sich Salze sammeln. Typisch ist diese Reihenfolge: Erst werden die äußersten Blattspitzen gelb, dann braun und trocken, danach krallen sich die Blattränder klauenartig nach unten („the claw“). Bei Stickstoff-Überschuss kommt ein sehr dunkles, fast bläuliches Grün dazu, oft mit lackartig glänzender Oberfläche.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Nährstoffmangel, denn beide können gelbe Blätter zeigen — und die häufigste Fehlerkette beginnt genau hier: Du siehst Gelb, hältst es für Hunger und düngst nach, obwohl die Pflanze schon überversorgt ist.
- Überdüngung: Symptome zuerst an den großen unteren Blättern, verbrannte/trockene Spitzen und Ränder, dunkelgrüne Pflanze, eingerollte Klauenblätter.
- Stickstoffmangel: gleichmäßig blasses Hellgrün bis Gelb von unten nach oben, die Blätter bleiben weich und welken, keine verbrannten Spitzen.
- Magnesiummangel: Aufhellung zwischen den Blattadern (Adern bleiben grün), meist in der mittleren Etage — nicht mit Überdüngung verwechseln.
Ein verlässlicher Gegencheck ist der EC-Wert (elektrische Leitfähigkeit) des Ablaufwassers: Fängst du den Durchlauf unter dem Topf auf und misst dort einen deutlich höheren EC als in deiner Gießlösung, reichern sich Salze an — ein klares Überdüngungssignal.
Schritt für Schritt: Nährstoffbrand sofort behandeln
- Düngen sofort stoppen. Setze beim akuten Brand mindestens eine, eher zwei volle Gießrunden komplett aus. Die Pflanze zehrt erst die im Substrat gespeicherten Salze auf.
- Substrat spülen (Erde/Coco). Gieße langsam mit dem etwa 2- bis 3-fachen Topfvolumen an klarem, pH-eingestelltem Wasser durch, bis unten reichlich Wasser abläuft. Das wäscht die überschüssigen Salze aus der Wurzelzone.
- pH einstellen. Stelle das Spül- und Gießwasser auf den richtigen Wert: in Erde rund 6,2–6,8, in Coco und Hydro rund 5,8–6,2. Ein falscher pH blockiert die Aufnahme zusätzlich.
- Ablauf-EC messen. Miss den EC des ablaufenden Wassers. Liegt er weit über deiner Zielmischung, weiter spülen, bis sich Gießlösung und Ablauf annähern.
- Hydro/DWC: Reservoir tauschen. Im Hydrosystem die Lösung komplett gegen frisches, pH-neutrales Wasser tauschen und erst nach Erholung wieder schwach andüngen.
- Reduziert wieder andüngen. Nach 1–2 Gießrunden mit reinem Wasser steigst du mit halber Dosis wieder ein und tastest dich nach Lauf-EC langsam hoch — nicht zurück auf die alte Menge springen.
Verbrannte Blätter erholen sich nicht mehr — das abgestorbene Gewebe bleibt braun. Entscheidend ist, dass das neue Wachstum nach dem Spülen wieder sauber und gesund nachkommt. Bereits stark verbrannte Einzelblätter kannst du entfernen, gesunde Blätter mit nur leichten Spitzen lässt du dran.
Womit ich mir den Brand selbst eingebrockt habe
In einem Zelt-Grow wollte ich das Wachstum pushen und habe die Dosis stur nach dem Steigerungsplan auf der Düngerflasche jede Woche hochgezogen, ohne den Ablauf zu messen. In der Vorblüte krallten sich plötzlich die obersten Blätter ein und die Spitzen wurden braun — der Lauf-EC war heimlich Richtung 2,4 mS/cm geklettert. Zwei Spülgänge und eine Pause später kam das Wachstum zurück. Die Lehre: nicht der Flasche vertrauen, sondern dem Ablaufwasser. Seitdem dünge ich nach gemessenem EC, nicht nach Herstellertabelle.
Wenn das Spülen nicht hilft: andere Ursachen prüfen
Sehen die neuen Blätter nach dem Spülen weiter verbrannt aus, steckt oft eine dieser Ursachen dahinter:
- pH-Lockout: Stimmt der pH nicht, kann die Pflanze trotz korrekter Düngermenge einzelne Nährstoffe nicht aufnehmen — Symptome ähneln Brand und Mangel zugleich. Erst pH messen und einstellen, dann weiter beurteilen.
- Lichtstress/Hitze: Zu nahe oder zu starke LED verbrennt ebenfalls die obersten Blätter — diese „Lichtbleiche“ sitzt aber an den lichtnächsten Spitzen, nicht an den unteren Blättern. Abstand und Temperatur (ideal rund 24–26 °C bei Licht an) prüfen.
- Wurzelschaden/Staunässe: Faulende Wurzeln nehmen Wasser und Nährstoffe schlecht auf, was wie Überdüngung aussieht. Topf anheben, Drainage und Gießrhythmus kontrollieren.
- Falsches Wasser: Sehr hartes Leitungswasser bringt schon vor dem Dünger viel Salz mit. Mit einem EC-Messgerät den Ausgangswert des Gießwassers kennen und in die Dosierung einrechnen.
Warum entsteht Nährstoffbrand überhaupt?
Dünger besteht aus Mineralsalzen. Lösen sich zu viele davon im Substrat, steigt die Salzkonzentration im Wurzelbereich über die in der Wurzel selbst. Durch Osmose zieht es dann Wasser eher aus der Wurzel heraus, statt hinein — die Pflanze „verdurstet“ mitten im feuchten Topf. Die Folge sind die typischen vertrockneten Ränder und Spitzen. Genau deshalb hilft Spülen so zuverlässig: Es senkt die Salzkonzentration, das osmotische Gefälle dreht sich zurück, und die Wurzel kann wieder Wasser ziehen.
Praktischer Richtwert beim Düngen statt Vollgas: Sämlinge brauchen kaum Nährstoffe (EC etwa 0,4–0,8 mS/cm), in der Wachstumsphase steigerst du moderat (rund 1,2–1,8), in der Blüte liegt der Bedarf am höchsten (rund 1,6–2,2). Die genauen Werte hängen von Sorte, Medium und Wasser ab — taste dich von unten heran, statt von oben zu korrigieren.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Überdüngung bei Cannabis?
An verbrannten, gelb-braunen Blattspitzen, die sich nach unten einkrallen, oft mit sehr dunklem, fast bläulichem Grün und glänzenden Blättern. Die Symptome beginnen meist an den großen unteren Blättern, nicht an den jungen Trieben.
Was ist der Unterschied zwischen Überdüngung und Nährstoffmangel?
Überdüngung zeigt verbrannte, trockene Spitzen und Ränder bei dunkelgrüner Pflanze. Stickstoffmangel macht die Pflanze gleichmäßig blass und gelb von unten nach oben, ohne verbrannte Spitzen. Im Zweifel hilft der EC-Wert des Ablaufwassers.
Wie behebe ich Nährstoffbrand am schnellsten?
Düngen sofort stoppen und das Substrat mit dem 2- bis 3-fachen Topfvolumen an klarem, pH-eingestelltem Wasser spülen. Danach 1–2 Gießrunden nur mit Wasser und anschließend mit halber Dosis wieder einsteigen.
Erholen sich verbrannte Blätter wieder?
Nein. Abgestorbenes braunes Gewebe wird nicht wieder grün. Entscheidend ist, dass nach dem Spülen das neue Wachstum gesund nachkommt. Stark verbrannte Einzelblätter kannst du entfernen.
Welcher EC-Wert ist bei Cannabis richtig?
Grobe Richtwerte: Sämlinge etwa 0,4–0,8 mS/cm, Wachstumsphase rund 1,2–1,8 und Blüte etwa 1,6–2,2. Werte hängen von Sorte, Medium und Wasser ab – taste dich von unten heran und miss den Ablauf-EC.




