Cannabis braucht in jeder Phase ein anderes Klima: Sämlinge mögen es warm und feucht (23–26 °C, 65–70 % relative Luftfeuchte), in der Wachstumsphase sinkt die Luftfeuchte schrittweise auf 55–65 %, und in der Blüte hältst du 20–26 °C bei 40–50 %. In der Spätblüte gehst du unter 40 %, um Schimmel an den Blüten zu verhindern. Nachts jeweils etwa 4–6 °C kühler.
So misst du das Klima in deinem Zelt richtig
Bevor du Werte einstellst, brauchst du verlässliche Messung. Ein einzelnes Thermo-Hygrometer reicht, wenn es am richtigen Ort hängt: auf Höhe der Blätter (Canopy), nicht am Zeltboden und nicht direkt unter der Lampe. Dort herrscht das Klima, das die Pflanze wirklich erlebt. Ein Gerät mit Min-/Max-Speicher zeigt dir auch, wie tief die Temperatur in der Dunkelphase fällt – genau dieser Tag-Nacht-Unterschied wird oft übersehen.
Wichtig: Temperatur und Luftfeuchte hängen zusammen. Kühlt die Luft nachts ab, steigt die relative Luftfeuchte automatisch, weil kältere Luft weniger Wasser hält. Ein Zelt, das tagsüber bei 24 °C / 50 % läuft, kann nachts bei 18 °C schnell über 65 % klettern – in der Blüte ist das die Hauptursache für Blütenfäule.
Richtwerte je Phase auf einen Blick
Die folgenden Spannen sind die in der Praxis bewährten Zielbereiche. Sieh sie als Korridor, nicht als starre Vorgabe – entscheidend ist, dass du dich pro Phase in Richtung der unteren Feuchte-Grenze bewegst.
| Phase | Temperatur (Licht an) | Temperatur (Licht aus) | Relative Luftfeuchte | VPD (kPa) |
|---|---|---|---|---|
| Sämling / Steckling | 23–26 °C | ca. 4–5 °C kühler | 65–70 % | 0,4–0,8 |
| Vegetation (Wachstum) | 22–28 °C | ca. 5 °C kühler | 55–65 % | 0,8–1,2 |
| Frühe Blüte (Woche 1–3) | 20–26 °C | ca. 5 °C kühler | 45–55 % | 1,0–1,4 |
| Spätblüte / vor der Ernte | 18–24 °C | 5–10 °C kühler | unter 40 % | 1,2–1,6 |
Sämling und Steckling
Junge Pflanzen haben noch kaum Wurzeln und ziehen Feuchtigkeit größtenteils über die Blätter. Deshalb die hohe Luftfeuchte von 65–70 %. Ein Anzuchtgewächshaus oder eine Plastikhaube hält das Mikroklima stabil. Halte die LED in dieser Phase weiter weg oder gedimmt – zu viel Licht bei noch schwacher Wurzel führt zu Stress.
Wachstumsphase (Vegetation)
Jetzt senkst du die Luftfeuchte Woche für Woche um etwa 5 %, bis du am Ende der Vegetation bei rund 55 % bist. Das trainiert die Pflanze auf das trockenere Blütenklima und kräftigt das Wurzelwerk. Temperaturen bis 28 °C verträgt Cannabis im Wachstum problemlos, solange die Luftfeuchte mitspielt.
Blütephase
Mit dem Umschalten auf 12/12 beginnt die kritische Klimaphase. 45–55 % in der frühen Blüte, dann konsequent absenken. Ab Woche 6 – wenn die Blüten dicht werden – sollte die Luftfeuchte unter 50 %, in der Spätblüte unter 40 % liegen. Dichte Buds speichern Feuchtigkeit im Inneren, und genau dort beginnt Blütenfäule (Botrytis), die man von außen oft zu spät sieht.
Wenn die Werte nicht stimmen
Meist liegt es nicht an einem kaputten Setup, sondern an einer von wenigen Ursachen:
- Luftfeuchte zu hoch: Abluft hochdrehen, einen Entfeuchter einsetzen und das Gießen auf die frühe Lichtphase legen, damit das Wasser über den Tag verdunstet. In einem dicht bepflanzten Zelt produziert allein die Transpiration der Blätter erstaunlich viel Feuchtigkeit.
- Luftfeuchte zu niedrig: Abluft drosseln, einen Luftbefeuchter laufen lassen oder offene Wasserbehälter aufstellen. Vor allem im Sämlingsstadium oder im Winter mit trockener Heizungsluft ist das häufig nötig.
- Zu warm: Lampenabstand vergrößern, LED-Leistung dimmen oder die Lichtphase in die kühleren Nachtstunden verlegen. Eine stärkere Abluft mit Aktivkohlefilter senkt die Temperatur spürbar.
- Zu kalt / zu großer Nachtabfall: Fällt die Temperatur in der Dunkelphase unter 16 °C, stockt das Wachstum und Stiele färben sich oft violett. Eine Heizmatte unter dem Topf oder eine Styroporplatte gegen den kalten Zeltboden hält die Wurzelzone stabil.
Beim ersten Indoor-Versuch hatte ich im Sämlingszelt ohne Befeuchter nur rund 35 % Luftfeuchte – die Keimlinge standen tagelang fast still, die Blätter klappten kaum auf. Erst eine simple Anzuchthaube mit einem feuchten Tuch brachte die Feuchte auf 65 %, und innerhalb von zwei Tagen ging das Wachstum los. Seitdem checke ich die Feuchte schon, bevor der Samen überhaupt in die Erde kommt.
Hintergrund: Warum VPD wichtiger ist als der reine Prozentwert
VPD steht für Vapor Pressure Deficit – das Sättigungsdefizit der Luft. Vereinfacht beschreibt es, wie stark die Luft der Pflanze Wasser „entzieht“. Genau dieser Sog steuert, wie weit die Spaltöffnungen (Stomata) der Blätter aufgehen und damit, wie viel CO₂ und Nährstoffe die Pflanze aufnimmt.
Der Knackpunkt: Dieselbe relative Luftfeuchte ergibt bei unterschiedlicher Temperatur einen völlig anderen VPD-Wert. 60 % Luftfeuchte bei 24 °C ist ein anderes Klima als 60 % bei 29 °C. Deshalb bringt es wenig, nur auf den Feuchte-Prozentwert zu schielen – du steuerst immer Temperatur und Feuchte gemeinsam. Wer es genau will, misst mit einem Infrarot-Thermometer die Blatttemperatur: Blätter sind durch Verdunstung meist 1–3 °C kühler als die Raumluft, und nur dieser Wert ergibt einen ehrlichen VPD. Als Faustregel: zu niedriger VPD → Temperatur leicht hoch oder Feuchte runter; zu hoher VPD → Temperatur runter oder Feuchte hoch. Ändere immer nur eine Stellschraube und miss nach 30 Minuten erneut.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Blüte ideal?
In der frühen Blüte 45–55 %, ab Woche 6 unter 50 % und in der Spätblüte unter 40 %. Dichte Blüten speichern Feuchtigkeit im Inneren – zu hohe Werte sind die Hauptursache für Blütenfäule (Botrytis).
Wie warm darf es im Growzelt werden?
Bei eingeschaltetem Licht sind 22–28 °C im Wachstum und 20–26 °C in der Blüte ideal. Dauerhaft über 30 °C bremst das Wachstum und mindert in der Blüte Harz und Ertrag.
Wie viel kühler sollte es nachts sein?
Etwa 4–6 °C kühler als am Tag. In der Spätblüte darf der Abfall 5–10 °C betragen – unter 16 °C sollte es aber nicht fallen, sonst stockt das Wachstum und Stiele verfärben sich violett.
Wie senke ich die Luftfeuchtigkeit im Growzelt?
Abluft hochdrehen, einen Entfeuchter einsetzen und in der frühen Lichtphase gießen, damit das Wasser über den Tag verdunstet. Weniger Pflanzen pro Zelt und entlaubte Blätter senken die Transpirationsfeuchte zusätzlich.
Was ist VPD und welcher Wert ist gut?
VPD (Vapor Pressure Deficit) beschreibt den Wasser-Sog der Luft. Richtwerte: Sämling 0,4–0,8 kPa, Wachstum 0,8–1,2 kPa, Blüte 1,0–1,6 kPa. Er hängt von Temperatur und Feuchte zusammen – beides immer gemeinsam steuern.




